Abschied

F. Lederer-Prina

Ich lag in schweren Träumen,

Die Nacht war still und heiss,

Vorm Fenster im Lindenbaume

Rauschten die Blätter leis.

Da hört ich Hufschlag dröhnen

Die stillen Gassen entlang,

Einen Hornruf hörte ich tönen,

Ich kenne, ich kenne den Klang!

Ans Fenster flog ich geschwinde

Und sah hinaus in die Nacht:

Dort unter der breiten Linde

Hielt mein Liebster Wacht.

Hernieder bin ich gestiegen,

Wir sassen auf der Bank;

An seiner Brust zu liegen,

Hab ich gesehnt mich lang.

Und als der Morgen heiter

Und sonnig brach herein,

Da ritt er weiter, weiter,

Nun bin ich in Trauern allein.

Den Hornruf leis erklingen

Vom Walde noch einmal

Durch meine Träume dringen

Hör' ich ihn immerdar.