Der Thräne Silberthau
Lehár, Franz
Freud und Leid die Beiden liegen
auf dem Lebensweg beisamm,
und man muß sie oft besiegen
wie den Jubel so den Gram.
Einen Freund die beiden haben
dieser hat die schöne Pflicht,
herrlich ist sie du erhaben,
weil sie stets für Beide spricht.
Ob in Freude oder Schmerzen,
mächtig rüttelt er die Herzen;
ob jetzt ernst, ob froh die Stund,
gibt still von Beiden Kund!
Da spricht der Thräne Silberthau,
die laute Sprache dann!
Wenn gramgebeugt, wenn Freud umwogt,
der Mund nichts sagen kann!
Bei der Rosen Zauberdüften
und des Mondes Silberschein,
rings umweht von lauen Lüften
gibt es dort ein Stelldichein.
Er ist still, sein Herz beklommen,
schweigend hält sie seine Hand,
ihnen hat die Lieb' genommen
was auf ihren Lippen stand.
Denn der Liebelust Entzücken
liegt fast nur im Hände drücken;
eine Sprache sagt nur da,
jenes süße Wörtchen: "ja"!
Da spricht der Thräne Silberthau,
die laute Sprache dann,
wenn übervoll von Liebesglück,
der Mund nichts sagen kann!