Die Näherin

Lehár, Franz

Nun wieder einen Stich

und wieder einen Stich.

So schleicht der Tag langsam dahin.

Endlos scheint mir die Zeit,

ganz ohne Lust und Freud'.

Ach, arme Näherin!

Ich bin jahraus, jahrein

Ganz mutterseel'n allein

In meinem kleinen Kämmerlein!

Und dann träum'ich vom Glück,

von der holden, zarten Liebe,

es umflort sich mein Blick,

wird von heißen Thränen trübe:

ach, der Himmel so rein,

ist nur für des Glückes Erben,

ach, wie gerne möcht'ich sterben

doch vorher noch glücklich sein!

Nun wieder einen Stich

und noch mal einen Stich.

So huscht der Tag eilend dahin.

Rasch nun verfliegt die Zeit,

jetzt voller Lust und Freud'.

Glückliche Näherin!

Denn Abend heut um neun,

hab' ich ein Stelldichein

mit meinem lieben, süssen Schatz!

Und dann träum' ich vom Glück,

von der holden zarten Liebe,

es umflort sich mein Blick,

wird von Freudenthränen trübe,

denn der Himmel ist klar,

wird sich nie mehr düster färben.

Ja, nun will ich gerne sterben,

weil ich einmal glücklich war!