Im Boudoir
Lehár, Franz
Es ist die kleine Leontine
Mit ihrem kupferroten Haar,
Die allerschönste Ballerine,
In der Oper heute, das ist wahr!
Ein alter Herr sie hochverehret,
Bringt täglich Schmuck ihr, wunderbar
und da sie heftig es begehret,
lässt richten er zum neuen Jahr.
Ein Boudoir,
Reizend und zierlich fürwahr
Wände wie Veilchen blau,
Und Möbel in silbergrau
Und durch die Decke
Bricht matt nur das Licht.
Am Eisbärenfell pflegt der Ruh' sie
und er sagt: "Hör' jetzt zu!
Hier im Boudoir
Werd' ich verjüngt ganz und gar --
Liebe dich heiss mein Kind,
Doch schwöre mir jetzt geschwind,
Dass hier herein
Du lässt nie den Cousin
Denn Dein Boudoir soll ganz
ausschließlich sein --
Für mich allein!"
Obwohl die kleine Leontine
Liebt heiss und innig den Cousin,
Geht sie mit zuckersüsser Miene
Allsogleich auf die Bedingung ein.
Sie schwört mit Lachen und mit Scherzen:
"Du wirst ihn nie mehr bei mir sehn!"
Dabei denkt sie in ihrem Herzen:
"Es kann ja ich -- zu ihm auch gehen!"
Und bei dem Cousin
Findet sie oft sich jetzt ein,
Wenn auch sein Heim nicht gross,
Es kost sich dort ganz famos.
Oft sie vergisst.
Dass wohl die Zeit schon ist,
Wo sie meist besucht der alte Herr --
Schon wartet er.
In dem Boudoir
Das er gekauft zu Neujahr,
Macht ihm die Zofe Licht,
Sagt: "Sehr lang dauert's nicht!"
Und er ruht aus
Bis sie dann kommt nach Haus
In dem Boudoir, in das sie lässt hinein --
Nur ihn allein!