Das neue Lied vom Rhein

F. Markull

Das freie Wort, die freie That,

O Brüder, laßt uns preisen!

Es steht schon da in reicher Saat

Ein Volk, so stark wie Eisen,

Ein Volk, wie helles Gold so rein,

Das Volk, das Volk am deutschen Rhein!

Es reicht sich Jeder treu die Hand

Und fühlt sich hoch getragen

Vom Geist im lieben Vaterland,

Wie in der Vorzeit Tagen,

Ein Geist, wie helles Gold so rein,

Der Geist, der Geist am deutschen Rhein!

Es sey ein donnernd Hoch gebracht

Dem König: Er soll leben!

Durch dessen Ruf ist auferwacht

Ein freies deutsches Streben,

Ein Sinn, wie helles Gold so rein,

Der Sinn, der Sinn am deutschen Rhein!

Und dieser Sinn und dieser Geist,

Wie regt er seine Flügel,

Dem Aare gleich, der fliegt und kreis't

Hoch über Berg und Hügel,

Ein Geist, ein Geist, wie Gold so rein,

Der Geist, der Geist am deutschen Rhein!

Hoch leben dann die Stände auch,

Die laut, einstimmig sprechen:

Die Prügel sind am Rhein nicht Brauch,

Den Stock soll man zerbrechen! --

Die Prügel sollen türkisch seyn,

Drum weg damit vom deutschen Rhein!

Auch sey das Recht kein Lohnlakei,

Der schielet nach dem Kleide,

Ob Knecht, ob Junker einer sey,

Ein gleicher Spruch für beide!

Ein Recht, wie helles Gold so rein,

Das Recht, das Recht am deutschen Rhein!

Der Rhein, der Rhein, er werde frei

Vom Scheitel bis zu Füßen,

Mit deutschem Lied und Melodei

Soll man ihn allwärts grüßen:

Ein Lied, wie helles Gold so rein,

Ein Lied, ein Lied vom deutschen Rhein!