Das Nachtigallenpärchen
F. Muck
Ein Nachtigallenpärchen
Verliess die Blumenau'n,
Um sich in Waldgestrauchen
Ein sichres Nest zu bau'n.
Mit frohem Schmetterrn grüsste
Das Sängerpaar den Hain.
Und augenblicklich stimmte
Der Specht mit Lachen ein.
Durch Sympathie gezogen,
Erwählt der Sohn des Glücks
Zum Freund, ein Kind des Glückes,
Und nicht des Missgeschicks:
So ging es hier: noch hatte
Der Abend nicht gegraut,
Und schon war mit dem Pärchen
Der muntre Specht vertraut.
Doch häffen frohe Tage
Nur selten sich zum Jahr
Ein loser Kohler haschte
Das Nachtigallenpaar:
Im Vogelbauer weinten
Die Armen bitterlich,
Indess ihr Freund die Hütte
Vergnügt und frey umstrich.
Ach, riefen sie, ach öffne
Des Käfichs Gitterthor!
Doch eingekerkert blieben
Die Sänger nach wie vor:
Bis durch des Zeisigs Güte,
Den man zuvor veracht't,
Das Pärchen ward erhoret
Und wieder frey gemacht.
Ein frohes Flattern dankte
Dem Retter für das Glück,
Und schamlos kam nun wieder
Der seine Specht zurück;
Fort aber, sprach das Pärchen,
Wer nicht mit Armen weint,
Sey auch in guten Tagen
Nie der Beglückten Freund!