Der Hafen der Ruhe

F. Muck

Des Meeres Wogen thürmen sich

Und zürnend schnaubt der Wind;

Auf leckem Schiffe such' ich dich,

O Ruhe, Götterkind!

Wo ist die Freistatt, wo das Land,

Da du, Geliebte, weilst

Und deinen Schatz, aus milder Hand,

Mit Erdenbürgen theilst?

Hier treibt mein Schiffchen ab und auf

Im Sturm und Sonnenschein,

Und lief so gern, in vollem Lauf,

In deinen Hafen ein:

Müd werf' ich zwar den Anker oft

Und halte kurze Rast;

Doch lichtet er sich unverhofft

Und Sturm ergreift den Mast.

O Wonnezeit! als ich am Strand

Im Flügelkleid gespielt;

Als Einfalt mich an ihrer Hand

Voll Liebe gängelnd hielt;

Als in das Neidermeer der Welt

Kein eitler Drang mich trieb,

Und meinerwegen ungeschwellt

Des Schiffes Segel blieb!

Da war kein Räuberaug' auf mich,

Kein Neiderpfeil gericht't,

Und Furcht und Hoffnung kreutzten sich

Im eignen Herzen nicht;

Nun aber woget immerzu

Mein Schiffchen auf und ab;

Und ach! der Hafen meiner Ruh'

Bist du allein... o Grab!