Die Ungeliebte

F. Muck

O sonst zufriedne Tage,

Da noch zu keiner Klage

Mein Geist gestimmet war!

Im leichten Flügelkleide

Bekränzt' ich nur der Freude

Mit jungen Rosen den Altar.

Hin sind die goldnen Tage!

Mein Morgenlied ist Klage,

Mein Abendlied, Gebeth

Um trämelosen Schlummer:

Und ach! des Herzens Kummer

Zerquält mich, Arme, früh und spät.

Oft schwebt um mir zu schmeicheln

Und Hoffnung vorzuheucheln

Ein Traumbild vor mir hin;

Ich seh' im falschen Schatten

Den oft gewünschten Gatten,

Und höher schlägt das Herz für ihn.

Dann hör' ich Zaubertöne!

Mein Heinrich ruft: du, Schöne,

Bist mein, auf ewig mein!

Mit lauten Herzensschlagen

Sink' ich ihm dann entgegen,

Erwache nun, und -- bin allein!

O, der Geliebte kennet

Das Herz das für ihn brennet,

Den Dorn im Herzen nicht!

Wie aber dürft' ich's wagen,

Es selber ihm zu klagen,

Wo meine Liebe Dornen bricht?

Und ist nicht ganze Stunden,

Die Zunge mir gebunden,

Wenn mich sein Blick ergreist?

Spricht er: so fühl ich Blöde,

Beschät, dass Feuerröthe

Mir über Stirn und Wange streist.

Ein Drang, den ich verhehle,

Durchbebt mir bang die Seele,

Verzehrt allmählig mich. --

Er sieht's: doch er verkennet

Diess Herz gewiss und nennet

Mich eine Thörin nur bei sich.

Weg Hoffnung zur Genesung!

Indess mich die Verwesung

Mit grausem Arm umschlingt,

Wird, ach! in Heinrichs Armen

Die Glückliche erwarmen,

Die dreister ihm entgegen sinkt.

Doch nein! welch ein Gedanke!

Komm, Hoffnung, komm! ich wanke --

Dein Stab -- er bricht -- er bricht!

Du weilest noch?... Vergebens!

Die Freude meines Lebens,

Ach, Heinrich, Heinrich liebt mich nicht!