Mailied für Söhne und Töchter

F. Muck

Seht, der Mai, der Gott der Freuden,

Grüsset wieder unser Land,

Schmücket Hügel, Flur und Weiden

Mit dem schönen Lenzgewand;

Bringet Liebe, bringet Lieder

Jedem Haine, jeder Au,

Blüthen unsern Bäumen wieder,

Unsern Wiesen Blum' und Thau!

Jünglinge, jauchzt ihm entgegen,

Der die Freude wiederbringt!

Horcht, wie ihm mit lauten Schlägen

Philomel' entgegen singt!

Ihm zur Ehre, Mädchen, schmücket

Euch mit Blumen seiner Flur:

Denn er segnet, er beglücket

Die erwachende Natur.

Aber lernet von dem Maien,

Söh'n und Töchter jeder Flur:

Schmuck und Beifall kann verleihen

Euch nur Unschuld und Natur.

Strahlt aus eurem sanften Auge

Reiner Maien Himmelglanz;

Gleicht der Blüth' im Maienhauche

Eurer Jugend holder Kranz.

Könnt' ihr, wie der Mai beglücken

Ohne Kunst und doch so rein;

Welch ein himmlisches Entzücken,

Eurer Liebe werth zu sein!

Euch um euer Herz zu flehen,

Drängen Ädle sich herbei.

Unschuld müsse mit euch gehen,

Wie sie wandelt mit dem Mai!