Rondo. Aus dem Prolog 'Der beschämte Geizhals'

F. Muck

Geld, du schönstes der Metalle,

Geld, dich lieb' ich inniglich!

Liebes Geld, dich wünschen alle

Menschen auf der Erde sich.

Mit den Thalern spielt die Jugend,

Hold ergötzt sie Silberglanz.

Vollen Kassen bringt die Tugend

Frommer Mädchen ihren Kranz.

Von dem grünen Farotische

Lächelt Gold dem Jüngling süß.

Ob ein Schurk die Karten mische,

Was bekümmerte ihn dieß?

Geld, für dich durchstreift die Meere

Kühn der Schiffer, treu der Pflicht,

Achtet er die wilden Heere

Nützender Orkane nicht.

Dich im Auge, rennt der Krieger

Wild ins Blutbetriefte Schwerb.

Du alleine machst dem Pflüger

Sauern Schweiß und Arbeit werth.

Geld, du machst den Dummkopf weise,

Deckst die Midasohren zu.

Auf der langen Lebensreise

Ist so köstlich nichts, als du.

Lasterhafte machst du edel,

Streust in Richteraugen Sand,

Setzest manchen leeren Schädel

Weisen an die rechte Hand.

Geld, du glänzest wie die Sterne,

Dieben in das Angesicht.

Selber in der nächsten Ferne

Fürchten sie den Galgen nicht.

War es nicht der Glanz des Goldes,

Was Pizarro's Herz verschloß,

Daß -- gewiß des schönen Soldes --

Peru's Blut in Strömen stoß?

Wagtens nicht die Menschenkinder,

Selbst den Himmel überm Grab

Aufzuschliessen, wenn der Sünder

Nur den Silbergroschen gab?

Nahe schon des Orkus Schwelle,

Bist des Greisen Labsal du.

Machst sein mattes Auge helle,

Leuchtest ihm zur langen Ruh.

Alles, was die Welt bewohnet,

Alles, alles ist dir hold.

Sorgen, Mühe, Kummer, lohnet

Dein erhabner Glanz, o Gold!

Auch mein Trost bleibst du auf Erden,

Labsal mir bey jedem Tritt.

Soll ich einst begraben werden,

Liebes Säckchen, gehst du mit!