Aargauerlied

F. Niggli

Der Jura lodert rotbelaubt

Und schwimmt im Herdenglockenklang;

Der Burgstall mit gebrochnem Haupt

lauscht hoch vom gelben Felsenhang.

Am eingesunknen Bergfried lehnt die Sage

Und haucht des Ritters minnigliche Klage,

Dem Lieb' und Fehde Kränze wand --

Der Aargau ist sein Heimatland!

Durch Spitze Klosterscheiben sprüht

Die Sonne lachend bunten Schein;

Der rot und blaue Flimmer glüht

Um Altar, Chorgestühl und Stein.

Verloren orgelt's aus verborgnen Tiefen:

Es gehn umhörbar um, die längst entschließen,

Und schauern Schatten an die Wand --

Der Aargau ist ihr Heimatland.

Aus blauen Firneschreinen schießt

Der Gletscherborn auf Trümmerstein:

Der Strudel schäumt, der Wildbach gießt,

Die Aare brandet in den Rhein.

Aufsprüht die Flut und hetzt die Eisenräder,

Beträuft die Trift und rauscht ins Lied die Mähder

Und rinnt und raunt am grünen Strand:

Der Aargau ist ihr Heimatland!

Den winterdunklen Forst durchblitzt

Das Halali und Hörnerhall;

Der Waidmann, der am Feuer sitzt,

Ergießt sein Herz im Liederschall:

Die Tropfen, die uns in den Becher rinnen,

Gedeihn auf unsern lauen Hügelzinnen

Und an des Ufers goldnem Rand --

Der Aargau ist dein Heimatland!

Hier ging im Grund des Ahnen Pflug,

Hier schnitt er Frucht in Sommerglut,

Hier trug er im beherzten Zug

Brustharnisch, Wehr und Eisenhut.

Den Spieß geachselt, ungeschnallt den Degen,

Tritt er zu mir auf nächtlich stillen Wegen

Und rührt ermannend meine Hand --

Der Aargau ist mein Heimatland!