Das Hütchen wollt im Garten

F. Reissiger

Das Hütchen wollt im Garten herum spazieren gehn,

Da sah es mit einem Buche einen dicken Pfaffen stehn,

Der war wie Stroh so dumm

Und hing das Maul so krumm!

Da zupgt es ihn am Schopfe:

"Was hast du denn im Kopfe?"

"Ach!" sprach der Pfaff': "ich soll da zur Kirchenversammlung gehn,

Lateinisch disputieren, und thu kein Wort verstehn!

Mich hat man ausgewählt,

Der nicht bis dreie zählt;

Ich weiß vor Angst und Bangen

Nicht, wo ich soll anfangen?" --

"Getrost du, großer Esel!" sprach Hütchen, das kleine Ding:

"Da! -- nimm, von Lorbeerkringeln, den Firlefanzering,

Den steck dir an, so schafft

Er Weisheit dir und Kraft:

Du siegst an jedem Orte

Mit jedem deiner Worte!"

Das Pfäfflein nahm das Ringlein, und sagte zierlich Dank,

Und fand sodann kein klügeres im Saal, auf keiner Bank.

Es war im Herzen froh,

Und sprach wie Cicero,

Citirte, disputirte,

Bis keiner mehr sich rührte!

Ach! liefe doch das Hütchen in der ganzen Welt herum,

Und schenkte solche Ringlein an Jeden, der da dumm!

Ach, aus Verlegenheit

Hülf' es gar Manchem heut!

Komm', Hütchen, liebes Dinglein,

Bring tausend solche Ringlein!