Seufzer des Gefangenen
F. Reissiger
Welch namenloses Leiden,
o Teure, dich zu meiden!
Mein Alles hast du grausam,
o Schicksal, mir entwandt!
Die Fluten meiner Tränen
verdoppeln nur mein Sehnen;
o dass wie Traum und Lüfte
mein ganzes Glück verschwand!
Mein ewig neues Flehen,
nur sie noch einmal sehen,
verhallt im Felsgewölbe,
das Mitleid ist verbannt.
Aus meinen Paradiesen
in Kerkernacht verwiesen;
o dass wie Traum und Lüfte
mein ganzes Glück verschwand!
Am Block der Schauerhöhle
gedenk' ich dein, Adele;
mir gönnten die Barbaren
kein teures Liebespfand.
Im Busen Weh' auf Wehe,
fühl' ich des Todes Nähe,
und dass wie Traum und Lüfte
mein ganzes Glück verschwand!