Am Rhein und beim Wein

F. Ries

Mit Rheinwein füllt den Becher,

Der perlt so klar und frisch! --

Ich saß als wack'rer Zecher

An manchem Schenkentisch,

Sah weißen Wein und roten

In Kelchen spiegelblank,

Doch nichts hat überboten,

Der Heimat Göttertrank!

Da bergen doch die Fässer

Den allerbesten Wein:

Es zecht sich nirgends besser

Als an dem deutschen Rhein! --

Zum Lorbeer, zu den Palmen

Trieb mich die Sehnsucht hin;

Ich sang der Minne Psalmen

Der stolzen Römerin.

Betrogen und verlassen!

Das war des Liedes schluß. --

Komm! laß dich fest umfassen

Zum heißen Liebeskuß,

Du herrlichste der Rosen,

Du rheinisch Mägdelein! --

Ich kenne kein süßres Kosen,

Als an dem deutschen Rhein!

Schenkt ein den Saft der Trauben,

Des Rheingaus goldnen Schatz!

In grünen Rebenlauben,

Da ist der schönste Platz!

Ein wundersames Klingen

Durch Thal und Hügel zieht,

Des Stromes Wogen singen

Den Chor zu meinem Lied.

Bei Sang und Kuß und Reben

Erblüht uns Seligsein!

Will zechen, lieben, leben,

Am Rhein, am deutschen Rhein!