Der Zauberleuchtturm

F. Schieri

Des Zauberers sein Mägdlein saß

In ihrem Saale rund von Glas.

Sie spann beim hellen Kerzenschein,

Und sang so glockenhell darein;

Der Saal, als eine Kugel klar,

In Lüften aufgehangen war

An einem Thurm auf Felsenhöh',

Bei Nacht hoch ob der wilden See,

Und hing in Sturm und Wettergraus

An einem langen Arm hinaus.

Wenn nun ein Schiff in Nächten schwer

Sah weder Rath noch Rettung mehr,

Der Lootse zog die Achsel schief,

Der Hauptmann alle Teufel rief,

Auch der Matrose wollt verzagen:

O weh mir armen Schwartenmagen!

Auf einmal scheint ein Licht von fern

Als wie ein heller Morgenstern;

Die Mannschaft jauchzet überlaut:

Heida! jezt gilt es trockne Haut!

Aus allen Kräften steuert man

Jezt nach dem theuren Licht hinan,

Das wächst und wächst und leuchtet fast

Wie einer Zaubersonne Glast,

Darin ein Mägdlein sizt und spinnt,

Sich beuget ihr Gesang im Wind;

Die Männer stehen wie verzückt,

Ein jeder nach dem Wunder blickt

Und horcht und staunet unverwandt,

Dem Steuermann entsinkt die Hand,

Hat Keiner auf das Schiff mehr Acht;

Bis es am Felsenriffe kracht.

Die Luft zerreißt ein Jammerschrei:

Herr Gott im Himmel, steh' uns bei!

Da löscht die Zauberin ihr Licht;

Noch einmal aus der Tiefe bricht

Verhallend Weh aus Einem Munde:

Da zuckt das Schiff und sinkt zu Grunde.