Schwanensang

Schreker, Franz

Bleiche Silberstrahlen

Grüssen die Erde

In schlummernder Nacht — —

Stolze Pracht

Der Herrschergeberde

Umgürtet den Schwan,

Der still die Bahn

Leuchtender Wellen durchgleitet —

Aber in Qualen

Flehend weitet

Sich, aufwärts gewendet, sein Blick — — —

Da senkt das Geschick

Erfüllend sich nieder,

Mit weicher Hand

Streift es gewährend

Das weisse Gefieder

Des Königlichen. — —

Jäh erblichen

Ist seines Auges Wehmuthsglanz,

Hin schmilzt sein Leid

Im licht ersteh'nden Strahlenkranz

Erfüllter Seligkeit — — — —

Und leise,

Leise

Hebt der Schwan

Zu singen an — —

Wie Seufzer klingt,

Wie Klage dringt

Es bebend durch die Nacht,

Dann leiser Klang,

Licht, glockenmild,

Ein sanft Vergeh'n,

Ein neu Ersteh'n —

Und Ton um Ton erglüht und schwillt,

Dem ewig stummen Mund entquillt

Ergreifender Gesang — — — —

Rings durch den dufterglühten

Hain geht ein leises Weh'n —

Die Elfen und die Blüten,

Die können den Sang versteh'n,

Die haben schon manchen, aus tiefster Qual

Befreit, im klärend lichten Strahl

Des Schicksals sterben seh'n. —