Sommerfäden

Schreker, Franz

Wenn die Sommerzeiten enden,

wandelt licht im Abendschein,

Herbsttagssegen in den Händen,

still Frau Holde durch den Hain.

Und mit leisen Liebesreden

streut als lieblich holde Spur

weisse, weiche Sommerfäden

weithin sie durch die Natur.

Sommerfäden zieh'n durch's Land,

Leise nah'n sie und verschweben,

fromme Wünsche still gesandt,

mögen ihnen Weisung geben:

"Sommerfäden, schwebt dahin,

grüßt mir nah' und grüßt mir ferne

liebe, treue Augensterne;

Sommerfäden, schwebt dahin."

Und Frau Holde lächelt leise,

und die Sommerfäden zieh'n

ihre rätselvolle Reise

schimmernd zu dem Liebsten hin.