Spazier' ich so die Gass' entlang

F. Semon

Spazier' ich so die Gass' entlang,

Wenn kaum der Tag verrauschet,

Da heb' ich an einen hellen Sang,

Der Mond geht auf und lauschet.

Wo zwei und zwei beisammen sind,

Da stiehlt das Lied sich ein geschwind,

Wo einsam weint ein Mutterkind,

Dem scheucht's die Nachtgespenster.

So weit der Sonn- und Mondenschein

Mag auf die Erde blicken,

Will sich zusammen nichts so fein

Wie Lieb' und Lieder schicken.

Das wußt' auch König David wohl

Und sang zur Harf' in Dur und Moll

Gar meisterlich und wundervoll

Die schönsten Serenaden.

Und das geschah vor alters schon,

Ist heut noch Brauch geblieben.

Ich mein', ich säß auf Davids Thron,

Sing' ich ein Lied vom Lieben.

Der Thronen Glanz in Staub verweht,

Das Reich der Liebe nie vergeht,

Und wer das Singen recht versteht,

Ist aller Herzen König.