Der Zecher als Revolutionair

F. Sieber

Zecher.

Greift, wackre Brüder, zu dem Kruge,

Erwäget wohl die große Zeit,

Wie sie sich jetzt von altem Truge,

Vom schweren Joche rings befreit!

Und wir nur sollten nicht es wagen,

Nach unsrem Kecherrecht zu fragen?

Was saget ihr dazu? davon?

Chor.

Rebellion! Rebellion!

Zecher.

Es scheint, als wenn die zarten Schönen,

Mit sammt dem edlen Rebensaft

Das edle Zechervolk verhöhnen,

Das große Volk in seiner Kraft?

Decretum stat: die Schönen sollen

Von nun an uns nur lieben wollen!

Was saget ihr dazu? davon?

Chor.

Rebellion! Rebellion!

Zecher.

Und auch der Wirt will oft nicht bangen,

Der Zecher aber braucht den Wein!

Beim Trinken giebt es keine Sorgen,

Der Wirth, der aber schenke ein! --

Er mag sich an der Stirne reiben

Und ruhig, sittsam weiter schreiben!

Was saget ihr dazu? davon?

Chor.

Rebellion! Rebellion!

Zecher.

Sonst saß man ernsthaft in der Runde

Und schlich sich zweifelnd bald nach Haus;

Doch jetzt, jetzt erst zur Morgenstunde

Laviren wir so so! nach Haus;

Die Leute aber sollen sagen:

Der brave Mann kann was vertragen!

Was saget ihr dazu? davon?

Chor.

Rebellion! Rebellion!

Zecher.

Auf tausend Tafeln sei geschrieben

Dieß große Wort mit süßen Rath

Mit goldnem Wein, der übrig blieben

Vom allerbesten alten Faß:

Weinkönig soll sein vor Allen,

Der nie berauscht vom Stuhl gefallen!

Was saget ihr dazu? davon?

Chor.

Rebellion! Rebellion!