Die Waldblume

F. Sieber

Im Föhrenwald alleine

Steht eine Blume dort,

Die blüht beim Sternenscheine

An einem düstren Ort.

Dahin will ich mich setzen,

Zur Blume heimlich hin,

Will sie mit Thränen netzen,

Weil ich verlassen bin.

Ihr will ich Alles sagen,

Was meine Seele quält,

Und will ihr Alles klagen,

Was Allen ich verhehlt.

Und muß sie einst erbleichen

Zu einer schlimmen Zeit,

So will ich gerne schweigen,

Zum Todesschlaf bereit.

Doch tönt des Lenzes Weise

Uns wieder an das Ohr,

So brechen froh und leise

Wir als zwei Blumen vor.

Zwei Blumen an der Stelle

In großer Lenzespracht,

Die btühen gar so helle

Um jede Mitternacht.