Waldnacht

F. Sieber

Schnurre, schnurre, Misekätzchen,

Wasch die Pfötchen, putz die Tätzchen,

An dem Fenster braust der Wind!

Draußen, wie es haust und flüstert;

Drinnen, wie der Kienspan knistert,

Und das Rädchen, Rädchen spinnt.

Horch nur, wie die Eulen lachen,

Wie die Zweige brechend krachen,

Ganz in Wolken geht der Mond!

Uhre schnarrt die späte Stunde,

Ob wohl tief im Waldesgrunde

Noch die Frau, die böse wohnt?

Ob sie noch mit Zaubertücken

Thier' und Menschen kann berücken?

Wie's die Muhme oft erzählt.

Ob noch unter hohen Bäumen

Die drei Königstöchter träumen,

Bis ein Prinz die rechte wählt?

Surre, surre, liebes Rädchen,

Spinne, spinne, muntres Mädchen,

Rädchen, Mädchen, spinnt, o spinnt!

An dem Fenster, wie es knistert,

Wie es klopft und wie es flüstert!

Rädchen, Mädchen, spinnt, o spinnt!