Bömisches Volkslied

F. Silcher

Ein Täubchen kirr und traut

hatt' ich im Taubenhaus;

doch ach, mein Täubchen flog

zum grünen Wald hinaus.

Vom hohen Eichenbaum

umher mein Täubchen schaut,

und girrt im grünen Laub

gar lieb und zart und traut.

Mein Täublein, hold und traut,

dein Girren macht mir Schmerz;

du brichst mir armer Maid

vor Sehnsucht schier das Herz.

"Nicht ich, mein Mägdelein,

du selber machst dir Schmerz.

Du treibst, wenn fern ich bin,

mit andern Liebesscherz.

Schon mehrmal warnt' ich dich

vor solchem Unbestand,

da ich ins Lockenhaar

ein schillernd Band dir wand.

Dann wieder bracht' ich dir

ein Band, wie Schnee so weiß,

dass du gedenkest mein,

der dich geliebt so heiß."