Burschenlied

F. Silcher

Brüder, laßt die Mädchen leben

Hoch und dreimal hoch! --

Doppelt süß ist uns das Leben,

Wenn sie uns am Arme schweben,

Stolzer tritt der Bursch daher.

Alles, Alles, möcht' er haben,

Um's an sie gleich zu vergaben,

Wenn's die ganze Welt auch wär'.

Holde Mädchen! Süße Mädchen!

Brüder, laßt sie leben!

Brüder,

etc.

Wollt ihr dichten, wollt ihr singen,

Ohne sie kann nichts gelingen;

Was gelungen, stirbt dahin,

Wenn uns nicht vom Mund der Süßen

Unsre Lieder wieder grüßen,

Wie ein Kuß dem tiefsten Sinn.

Holde Mädchen

etc.

Brüder,

etc.

Wenn den Schaum uns ihre Lippen

Lächelnd vom Champagner nippen,

Ach, da gibt's erst rechten Schaum.

Da moussirt's im tiefsten Herzen

Von Begier und Liebesschmerzen,

Und des Weins gedenkt man kaum.

Holde Mädchen

etc.

Brüder,

etc.

Wollust, sie im Arm zu schwenken,

Ganz die Glieder zu verrenken,

Wenn Musik ihr Bestes thut!

Solch ein heimlich Händedrücken,

Solch verstohl'nes Liebesblicken

Thut auf viele Tage gut.

Holde

etc.

Brüder,

etc.

Ach, was wären unsre Tage,

Ew'ger Arbeit böse Plage,

Gäb's nicht Nachbarinnen traut?

Wohl! Am Fenster sieht sich's heller;

Zwar die Arbeit geht nicht schneller,

Doch das Herz fühlt sich erbaut.

Holde

etc.

Brüder,

etc.

Wär' der Tag noch zu ertragen, --

Viel ja muß der Mensch sich plagen, --

Brüder! Aber ach, -- die Nacht!

Was ist jenem zu vergleichen,

Wenn man in so lieben weichen

Armen einmal aufgewacht?

Holde

etc.

Brüder,

etc.

Jeder soll die Seine grüßen,

Und der Dichter alle Süßen;

Trinket rasch die Gläser aus!

Trinkt, und an die Wand mit allen!

Laßt es klirren, laßt es schallen!

Niemand trinke mehr daraus!

[Niemand trinke, wer die Mädchen

Nicht, wie wir, läßt leben!]