Fern und nah'
F. Silcher
Auf der blumenreichen Aue
in dem klaren Morgentaue
geh'n die Lämmlein silberhell;
Fischlein spielen,
schnelle Fischlein lustig spielen
hin und her auf kühler Well'.
Käm' mein Lieb' als Lamm gegangen,
zög' ich's hinter mir gefangen
wohl an einem roten Band;
wollt' es fischen,
mit der gold'nen Angel fischen,
schwämm's, ein schneller Fisch, ans Land.
Auf dem Berge tu ich stehen
und ins Tal herniedersehen
nach dem schönsten Angesicht.
Lämmlein seh' ich,
Well' auf Welle drunten seh' ich,
aber meine Liebste nicht.
Berg und Tal, in heißen Flammen
finden sich doch nie zusammen,
denn sie stehen gar zu weit.
Doch zwei Herzen,
doch zwei heißverliebte Herzen
sind beisammen allezeit.