Pilgerschaftslied

F. Silcher

Wie Simeon verschieden,

das liegt mir oft im Sinn;

ich führe gern im Frieden

aus diesem Leben hin.

Ach laß mir meine Bitte,

mein treuer Gott, geschehn,

laß mich aus dieser Hütte

in deine Wohnung gehn!

Dein Wort ist uns geschehen,

an diesem nehm' ich teil:

Wer Jesum werde sehen,

der sehe Gottes Heil.

Ich seh' ihn nicht mit Augen,

doch an der Augen Statt

kann mir mein Glaube taugen,

der ihn zum Heiland hat.

Ich hab' ihn nicht in Armen,

wie jener Fromme da;

doch ist er voll Erbarmen

auch meinem Herzen nah.

Mein Herz hat ihn gefunden,

es rühmt: Mein Freund ist mein,

auch in den letzten Stunden

ist meine Seele sein.

Ich kenn' ihn als mein Leben,

er wird mir nach dem Tod

bei sich ein Leben geben,

dem nie der Tod mehr droht.

Mein Glaube darf ihn fassen,

sein Geist gibt Kraft dazu;

er wird auch mich nicht lassen,

er führt mich ein zur Ruh.

Wenn Aug und Arm erkalten,

hängt sich mein Herz an ihn;

wer Jesum nur kann halten,

der fährt im Frieden hin.