Stiller Sinn
F. Silcher
Fromm mit liebendem Gemüthe
Fest vertrau'n der ew'gen Güte,
Ob der Erde Stürme weh'n, -
In des Lebens irrem Treiben
Stets muß doch dies Eine bleiben,
Ohne Wank muß es besteh'n.
Wenn ich Nachts gen Himmel schaue!
Nach der sternbesä'ten Aue,
Wo die Wunderblumen blühn,
O wie fühl' ich mich beschwichtigt,
Und den irren Sinn berichtigt,
Nur von reinen Flammen glüh'n.
Schöne Bilder aus der Ferne
Stehn sie da die goldnen Sterne,
SYSTEMBilder der Beständigkeit,
SYSTEMBilder sonnenlautrer Klarheit,
Ewig unverrückter Wahrheit,
Seliger Zufriedenheit.
Traue nur der ew'gen Güte!
Diese reine Himmelsblüthe
Blüht auch in der rauhsten Zeit.
Rosen mögen sich entfärben,
Andre Blumen mögen sterben,
Bis sie späht der Lenz erneut.
Erde muß, was irdisch erben,
Diese Blüthe kann nicht sterben,
Unvergänglich ist ihr May.
Traue nur der ew'gen Güte!
Treu im liebenden Gemüthe
Zeigt sie dir sich ewig neu.