Trinklied im Frühling

F. Silcher

Der Himmel lacht und heitre Lüfte spielen,

der Frühling kehrt zurück in seiner gold'nen Pracht;

mit lautem Jubelsang wird hier im Kühlen

der schönen Zeit ein volles Glas gebracht.

Die Treu' verklärt die fröhlichen Gesichter,

die Freude thronet hier im Königshaus;

die Lieb' entflammt die hellen Frühlingslichter

und spannt den Bogen drüber aus.

In roter Glut die Goldpokale funkeln,

die Sonne schaut mit Lust nach ihrem Kind, dem Wein,

und Geistertöne klingen durch die dunklen

Gewölbe dieser Blütenbäume drein:

O seht die Schar der kleinen Geister lauschen,

die in der Tiefe sich mit holdem Feuer tränkt!

Wo ihres Meeres wild'ste Fluten rauschen,

da sei die ganze Seele drein versenkt.

Der Strom des Lebens mag hinunterquellen,

wenn nur die Trauben stets an seinem Ufer glüh'n,

und süße Augen auf die dunklen Wellen

verklärend ihre Sonnenblicke sprüh'n:

Drum, wenn am Himmel heitre Lüfte spielen,

der Frühling wiederkehrt in seiner gold'nen Pracht,

wird unter hellem Jubelsang im Kühlen

der schönen Zeit ein volles Glas gebracht.