Ingeborg's Klage
F. Simon
Herbst ist es jetzt,
Hohl geht die See nun, vom Sturme gehetzt.
Dürft' ich am Strande dem Rauschen
Lieber doch lauschen!
Dorten hinwehn
Hab' ich durch's Meer seine Wimpel gesehn.
Wäre mit ihm durch die Wogen
So ich gezogen!
Schwill nicht, o Well'!
Schwill nicht so schrecklich! Schon geht's allzuschnell!
Folgt ihm, ihr goldenen Sterne,
Freundlich zur Ferne!
Mailuft wenn weht,
Kehret er wieder, doch Ingeborg geht
Nimmer entgegen im Saal ihm,
Nimmer im Thal ihm;
Denn in das Grab
Brachte der Gram die Geliebte hinab;
Ach, denn die Brüder im Harme
Opfern die Arme.
Wildfalke, gut,
Du, den statt seiner nun schützt meine Hut!
Dein will ich warten in Treue,
Jäger der Bläue.
Ihm auf der Hand
Will ich dich wirken in Tuches Rand:
Silbern die Schwingen zu schauen,
Golden die Klauen.
Freia wohl nahm
Flügel des Falken und suchte voll Gram
Oeder'n im Norden und Süden
Sonder Ermüden:
Nähm' ich in Pflicht
Mir deine Flügel auch, flög' ich doch nicht!
Ach, nur der Tod kann mir bringen
Himmlische Schwingen.
Jäger voll Muth,
Schau' von der Schulter hinab in die Fluth!
Er, wie wir warten und weinen --
Wird nicht erscheinen.
Schau, wenn ich todt,
Kehret er wieder; -- dann, wie ich's gebot:
Bringe, o bringe die warmen
Grüße dem Armen!