Am Brunnen

F. Steinbach

Die Linde duftet wunderbar,

Die Stern' am Himmel prangen, --

Am Brunnen steht ein junges Paar

Und hält sich leis' umfangen.

Sie lächeln still und schau'n sich an

Und drücken sich die Hände,

Sie spricht: „Du lieber, guter Mann,“ --

Ihr Glück ist ohne Ende.

Er nimmt den Strauß von seinem Hut

Und steckt ihn an ihr Mieder

Und sagt: „Ich bin dir herzensgut,“ --

Und küßt und küßt sie wieder.

Da stößt der Wächter in sein Horn,

Sie hört's mit lautem Schrecken

Und reißt die Eimer von dem Born

Und eilet durch die Hecken.

Die Mutter sitzt daheim und wacht

Und schilt ihr langes Säumen, --

Sie hört es kaum und liegt zu Nacht

In tausend süßen Träumen.