Die Trauerweide auf St. Helena

F. Truhn

Kennst du den Felsen, der dem Meeresschooße

In öder Wüste ernst und stumm entsteigt,

Wo England, du, das sonst so edle, große,

Als Kerkermeister dich so klein gezeigt?!

Du kennst ihn wohl und jenen Riesenhelden

Den dort die Welt in schnöden Fesseln sah --

Jetzt schläft er still -- wo? -- wird der Nachwelt melden

Die Trauerweide von St. Helena.

Ihm lag der Fürsten Schaar beseigt zu Füßen

Und neue Throne rief sein Wort hervor;

Des Ruhmes höchste Strahlen zu begrüßen

Schwang sich sein Adler zu der Sonn' empor.

Aegypten sah ihn kämpfen, nie ermattet,

Auf Alpenhöh'n stand er bewundert da,

Nun ruht er aus, wo einsam ihn beschattet

Die Trauerweide von St. Helena.

Und wie des Sieges Kränze ihn umwanden,

Als im Triumphe er die Welt durchzog,

Schuf er ein neu Gesetzbuch seinen Landen,

Für alle Zeiten glänzend hehr und hoch;

Drum ihr auch, denen Thränen er bereitet,

Denkt nur das Großen, das durch ihn geschah,

Und weint, daß über ihn die Zweige breitet

Die Trauerweide von St. Helena.

Und wenn der Jahre Sturm auch selbst vernichte

Die Säule seines Ruhms am Seine-Strand,

So wird sein Name in der Weltgeschichte

Doch dauernd leben, ewiglich genannt;

Und ewig wird zur Schmach in deiner Blöße

Der Welt dich zeigen, o Brittania,

Doch ihn allein in seiner Riesengröße

Die Trauerweide von St. Helena.