Die dunkle Nacht der Seele

F. Valen

In einer Nacht gar dunkel,

Da ganz mein liebend Herz vor Inbrunst glühte,

O hochbeglückte Stunde!

Entschlich mit leisem Tritte

Ich meiner tief in Ruh versunknen Hütte.

Im sichern Schutz des Dunkels

War die geheime Leiter bald erstiegen;

O hochbeglückte Stunde!

Verhüllt und tief verschwiegen

Ging ich, und liess in Ruh die Hütte liegen.

O seligste der Nächte,

Da ich beherzt den dunklen Pfad erklimmte,

Da mich kein Blick erspähte,

Kein Licht den Tritt bestimmte,

Als das, das in der innern Brust mir glimmte.

In dieses Lichtes Glanze

Fand sichrer ich als bei des Mittags Helle

Den Ort, wo meiner harrte

Der Liebste meiner Seele

Dort in der Öd', an unbetret'ner Stelle.

O Nacht, di mich beglückte,

Wie lieb ich dich ob Morgenrotes-Scheine

Dein Dunkel ja mich führte

Zum seligsten Vereine,

Wo ich, in ihn gewandelt, ward die seine!

An meinem blüh'nden Busen,

Den unversehrt ich stets für ihn bewachte,

Sank er in sanften Schlummer,

Indeß ich für ihn wachte,

Und mit dem Cederzweig ihm Kühlung sachte.

Und als Aurorens Athem

Sein lockig Haar begann umherzuspreiten,

Ließ sanft um meinen Nacken

Er seine Rechte gleiten,

Mir schwanden alle Sinn' in Seligkeiten.

Von heil'ger Wonne trunken,

Durft' ich mein Haupt auf den Geliebten lehnen.

Die Welt war mir entsunken,

Gestillet all mein Sehnen,

Begraben unter Lilien Harm und Tränen.