Maientag
F. Van der Stucken
Wie war er schön der Maientag,
da wir zu Zweien schritten
durch Enzian und Haidekraut,
durch Flur und Waldesmitten;
der Morgensonne junger Glanz
lag über Tal und Höhn.
Wie war er schön der Maientag,
wie war er wunderschön.
Wie war er süss der erste Kuss,
der uns in Lieb' vereinte,
wie glänzte hell dein braunes Aug'
das Freudentränen weinte,
die Lerche sang im Ätherblau,
mein war das Paradies.
Wie war er süss der erste Kuss,
wie war er wundersüss.
Wie war er kurz der Liebestraum,
wie kurz der Maientag;
nun braust der Herbst durch das Land,
es schweigt der Lerche Schlag,
es zittert leis' durch Flur und Feld
ein sterbendes Vergeh'n.
Wie war er schön der Maientag,
wie war er wundeschön.