Am Quell

F. Volkmann

Am Quell von Blumen umduftet,

Im grünen Waldesthal,

Da liegt gefällt ein Eichstamm,

Drauf sitz' ich hundertmal;

Und schaue dahin und frage,

Warum so fern sie weilt,

Aus wirrem Getös und Gedränge

Ins liebliche Thal nicht eilt.

Kannst du nicht her sie winken,

Du Hügel so heiter zu schau'n?

Du Fels nicht her sie bannen

Mit deinen gigantischen Brau'n?

Kannst du nicht her sie schmeicheln,

Du zartes schwellendes Moos?

Du Bächlein nicht her sie plaudern

Mit deinem Wellengekos?

Könnt ihr nicht her sie lächeln,

Ihr Blumen am klaren Teich?

Und du herbei sie nicht singen

Lieb Vöglein im grünen Zweig? --

Der Quell, in den ich schaue,

Nicht stockt er in seinem Lauf;

In meiner Brust das Sehnen

Nicht hört es zu quellen auf,

Der Stamm, darauf ich sitze,

Nicht wird er wieder grün;

Im Herzen meine Liebe,

Wann wird sie ins Leben blühn? --