Der blinde Musikant

F. von Flotow

An jener Landstraß', staubbedeckt,

so manchem Wand'rer wohlbekannt,

weilt jeden Abend, gramgebeugt,

ein armer, blinder Musikant.

Die lieben Seinen hat man längst

daheim zur ew'gen Ruh' getan;

ein Hündchen nur, der letzte Freund,

geht ihm als Führer stets voran.

Jetzt hebt der Alte zitternd an

ein Lied aus ferner Jugendzeit,

wo noch sein Aug' den Himmel sah

und all' der Erde Herrlichkeit.

Da springt sein Hündchen schnell herbei,

hebt beide Pfötchen hocherfreut

und harret, bis man mitleidsvoll

dem Spielmann eine Gabe beut. -

Der Arme starb, drei Tage sind's,

dass er erlöst von Sorg' und Plag',

als, hungernd auf dem Grabe, auch

sein Hündchen im Verenden lag.

Da hallt zum stillen Friedhof leis

bekannte Melodie herauf,

und, wähnend, dass sein Herr ihm nah',

hebt es, wie einst, die Pfötchen auf.

Dann sinkt es hin, das treue Tier,

und als die Töne sanft verweh'n,

musst' es auf jenem Hügel dort

mit ihnen aus dem Leben geh'n.