Boreas

F. von Gernerth

Da draußen auf den Straßen

Schneewirbelnd braust der Wind;

Zur Kurzweil' möcht' er umfassen

Wohl manch' ein schönes Kind.

Du keckster von allen Freiern,

Was zerrst du mit lüfterner Hand

Die Mädchen an den Schleiern

Und an dem zarten Gewand?

Entführtest wohl gern, wie weiland

Dein Ahnherr, in Liebesweh

Solch' Liebchen nach einem Eiland

In südlich blauer See?

Das Spiel mit riesigen Flocken

Ergötzt dich hier nicht mehr,

Und ferne Lenze locken

Auch dich wohl über's Meer.

Doch wisse, von Bergesklausen

Pilgernd zum Lorbeerwald,

Im Süden erstirbt dein Brausen

In weichem Gelispel bald.

Gedenkst du weise zu handeln,

Harr' aus in nord'scher Kraft!

Unter den Palmen wandeln --

Wir alle nicht ungestraft.