Die Flucht des Schwarzen
F. von Suppé
„Ich bebe vor Grimme, ich schäume vor Wut,
sie hat mich vertrieben, die rasende Brut!
Mein Reich ist gefallen, es stürzet mein Haus,
doch ist noch das Spiel, das verweg'ne, nicht aus.
Sie erringen es nicht,
das gepriesene Licht!“
So grollend flieht ein Mann
den steilen Fels hinan,
sein Kleid so schwarz wie Nacht
erfasst der Sturm mit Macht.
Gezwungen muss er steh'n,
wagt rückwärts kaum zu seh'n,
da klingt vom Tal empor
es betend an sein Ohr:
„O Licht der Freiheit, erscheine!
Erschein' in göttlicher Pracht!
Dich nur rufen alle Herzen,
zerbrich die Ketten der Macht,
o führ' uns gnädig aus der Nacht!“
Der finst're Mann der Grüfte
hört's rauschen durch die Lüfte;
es fasst ihn Todesgrauen,
verzweifelt schallt sein Ruf:
„Sie erringen es nicht,
das entsetzliche Licht!
Ihr elenden Knechte, was soll das Geschrei?
Was hilft euer Beten? Ihr werdet nicht frei!
Zersprengt euch die Adern, vergießt euer Blut!
Ihr sprengt nicht die Ketten, ich lache der Wut!
Noch hallen die Worte, da jauchzt es im Chor:
„Die Freiheit ist Sieger!“ zum Himmel empor.
Da reißen die Nebel, da glänzet das Licht
dem nächtlichen Flucher ins bleiche Gesicht,
und als er hinabschaut voll Schrecken ins Tal,
da singen die Völker im sonnigen Strahl:
„O Licht der Freiheit, erscheine!
Erschein' in göttlicher Pracht!
Dich nur rufen alle Herzen,
zerbrich die Ketten der Macht,
o führ' uns gnädig aus der Nacht!“
Ruhe, Frieden; alles schweiget!
Und der Schwarze ist verschwunden,
niemals, niemals kehrt er wieder,
dunkle Klüfte sind sein Grab!