Mahnung
F. von Suppé
Alles wogt und strebt
hoffnungsvoll belebt,
weithin prunkt in vollem Glanze
der Paläste Pracht
und des Reichtums Macht
kündigt stolz sich an;
in der Blütezeit,
Blatt an Blatt gereiht,
windet sich zum Ruhmeskranze.
Immerzu, immerzu!
Möge Öst'reichs Aar
steigen immerdar,
möge Gottes Hand
schirmen unser Land,
ja, unser Vaterland!
Euch, Bürger, euch gebührt der Preis,
o lebet hoch!
O Volk, nimm hin den Lorbeerreis!
Industrie, dein Werk ist hehr,
freies Wort, du bist die Wehr!
Und dieser Jubelschall
gibt lauten Widerhall;
der Bürger drückt des Bürgers Hand,
durch ihn erstand das Vaterland.
Aus dem Grabe hervor
tönt es dumpf an das Ohr;
Geister sind's der im März einst Gefall'nen,
nur zur Mahnung erwacht!
Eurer Brüderschar gedenkt,
die euch zur Freiheitsbahn gelenkt!
Öst'reichs Doppelaar
ist noch kräftig gar;
weithin reichen seine Schwingen,
und im ganzen Reich
hält er alles gleich
unter seinem Schutz.
Jeder Volkesstamm,
er durchbricht den Damm,
sich den Vorrang zu erringen.
Wer erreicht das Ziel,
hat gewonnen Spiel,
darum unverzagt
jeder nach dem Preise jagt.
Ihr Ungarn, ihr habt erstes Recht!
Auf, Deutsche, auf ins Wortgefecht!
Slawen, euch gebührt der Platz,
ihr Polen bringt des Reiches Schatz.
Und dieser Jubelschall
gibt lauten Widerhall,
tritt jede Nation
auf Recht sich stützend an den Thron.
Aus dem Grabe hervor
tönt es dumpf an das Ohr;
Geister sind's der für Freiheit Gefall'nen,
nur zur Mahnung erwacht:
Einet euch, steht Hand in Hand,
dann steht in Kraft das Vaterland!