Brünelle
F. von Wickede
Man lobt wohl Rosen, Vergissmeinnicht,
als Blumen der Liebe in Lied und Gedicht;
ich weiß ein Blümchen von and'rer Art,
es steht auf den Bergen so blau und zart,
nur Liebe darf es schenken;
des Blümleins muss ich denken.
Brünelle heißt es und duftet schön,
du findest es nur auf den Matten und Höh'n;
steckt dir's ein Mädchen an deinen Hut,
so heißt es: Von Herzen bin ich dir gut.
Eine Jungfrau tat mir's schenken,
des Blümleins muss ich denken.
Die Rosen pflückst du im Garten leicht,
wie gepflückt so sind sie verbleicht;
an jedem Bach vergissmeinnicht blüh'n,
um Purpurbrünellen du musst dich müh'n,
kannst sie so leicht nicht schenken;
des Blümleins muss ich denken.
Es war an einem Sommertag,
da mir ein Mägdlein das Blümlein brach;
sie sprach verschämt: Es schwätzen so dumm
die Leut' von der Blum', doch ich scher' mich nicht d'rum,
ich will sie dennoch schenken;
des Blümleins muss ich denken.