Die Flamme

F. Weingartner

"So sterben zu müssen -

auf einer elenden Kerze!

tatenlos, ruhmlos

im Atemchen

eines Menschleins

zu enden!...

Diese Kraft,

die ihr alle nicht kennt -

diese grenzenlose Kraft!

Ihr Nichtse!...

Komm doch näher,

du schlafender Kopf!

Schlummer,

der du ihn niederwarfst -

ruf doch dein Brüderlein Tod -

er soll ihn mir zuschieben -

den Lockenkopf -

ich will ihn haben - haben!

Sieh,

wie ich ihm entgegenhungre!

Ich renke mir alle Glieder

nach ihm aus...

Ein wenig noch näher -

näher -

ein wenig -

so -

jetzt vielleicht -

wenn's glückt -

ah! du Hund!

Er will erwachen?

still -

so ist's noch besser!

Der Pelz am Mantel -

Der Pelz - der Pelz -

hinüber - hinüber -

ahhh! fass ich dich - hab ich dich -

hab ich dich, Brüderchen -

Pelzbrüderchen, hab ich dich - ahhh!

Hilft dir nichts -

wehr dich nicht mehr!

Mein bist du jetzt -

Hand weg!

Wasser weg!

Mein bist du jetzt!

Wasssser weg!

Wart', da drüben ist

auch noch für mich -

so -

den Vorhang hinauf -

fängst mich nicht mehr -

Tuch - Tuch -

jetzt bin ich Herr!

Siehst du, jetzt breit' ich mich

ganz gemächlich im Zimmer aus -

lass doch den Wasserkrug!

Lass doch das Hülfgeschrei!

Bis sie kommen

bin ich schon längst

in den Betten und Schränken -

und dann könnt ihr nicht mehr herein -

und ich beiß' in die Balken der Decke -

die dicken, langen, braunen Balken -

und steig' in den Dachstuhl -

und vom einen Dachstuhl

zum andern Dachstuhl -

und irgendwo

werd' ich wohl Stroh finden,

und Öl finden,

und Pulver finden -

das wird eine Lust werden!

Das wird ein Fest werden!

Und wenn ich die Häuser alle zernichtet -

dann wollen wir mit Wäldern

die Fische in den Flüssen kochen -

und ich will euch hinauftreiben

auf die kältesten Berge -

und da droben

sollt auch ihr meine Opfer werden,

sollt ihr meine Todesfackeln werden -

und dann wird alles still sein -

und dann -