Oenothera
F. Weingartner
Versank die Sonne still im Meere
und schläft die Welt im Arm der Nacht,
dann erst erschliesst die Oenothere
des duft'gen Kelches gold'ne Pracht.
Sie ahnt, dass jetzt im fernen Süden,
in ihrer Heimath grünem Thal,
der Schwestern Schaar mit duft'gen Blüthen
begrüsst der Morgensonne Strahl.
So lebt sie Stunden flücht'ger Wonne,
fühlt nicht den kühlen Thau der Nacht,
bis sie, geweckt vom Licht der Sonne,
aus ihrem süssen Traum erwacht.
Vergebens locken frohen Lieder,
sie trauert, dass die Nacht entschwand,
und schliesst die duft'gen Kelche wieder
voll Sehnsucht nach dem Heimathland.