Der Abendstern

F. Witt

Vom Liebchen, ach, so fern, so fern

begrüß' ich dich, du Abendstern!

Du gehst so friedlich deine Bahn,

ich blicke dich so freundlich an,

denn ach, die schönste aller Frau'n

wird mein gedenkend nach dir schau'n!

Der gold'nen Sonne Strahlenpracht

weicht Tag für Tag der dunklen Nacht;

das Mondenlicht ist wandelbar,

mein Abendstern scheint immerdar.

Du schöner Stern, wie lieb' ich dich,

denn du siehst beide, sie und mich!

Mein Herz vor Sehnsucht fast mir bricht;

da tröstend mir mein Sternlein spricht:

Vom treuen Liebchen in der Fern'

bringt Gruß und Kuss dein Abendstern.

Die Seele bracht' ich ihr zurück,

sagt ihr, sie sei dein höchstes Glück!

Und sie, die Schönste aller Frau'n,

muss dein gedenkend nach mir schau'n!