Gemeinsame Minne

F. Wüllner

Magst du mich nicht leiden,

Davon weiß ich nichts: ich minne dich.

Eines sollst du meiden:

Mir vorbei zu schaun und über mich.

Das muß ich beklagen,

Denn ich kann nicht tragen

Solchen bittern Herzensschaden:

Trage mit, ich bin zu schwer beladen.

Soll ichs Vorsicht nennen,

Daß dein Auge mich so selten grüßt?

Könnt ich das erkennen,

Würde Tadel dir mit Lob versüßt.

Wohl, ich will es leiden,

Magst mein Haupt vermeiden,

Blick herab auf meinen Fuß,

Tief, so tief du kannst, das sei dein Gruß.

Herrin, nun besinne

Dich, ob mir dein Herz gewogen sei:

Eines Minners Minne

Frommt nicht, ist die Andre nicht dabei.

Minne taugt nicht einsam:

Sie soll sein gemeinsam;

So gemeinsam, daß sie dringt

Durch zwei Herzen, und kein Drittes zwingt.

Wenn ich Alle schaue,

Die mir billig müssen wohlbehagen,

Bleibst du meine Fraue,

Ohne Rühmen mag ich das wohl sagen:

Edel, auserlesen,

Sind sie meist gewesen

Und begabt mit hohem Muth;

Leicht wohl sind sie besser: du bist gut.