Morgenlied II

F. Zeileis

Wie ich doch den Hauch der Frühe

Selig an den Lippen fühle!

Von den Wiesen weht der kühle Duft

mir Blumen an den Mund.

Berge reißen sich die schweren

Hüllen nieder, morgenhelle

Bäche spiegeln in der Welle

Einen Himmel klar wie sie.

Noch ist Sonne nicht im Tale,

Doch schon ahnt man ihre Nähe.

Wie ich in die Ferne spähe,

Blitzt ihr Blick schon auf dem Grat.

Über die noch stummen Weiten

Wirft sie leuchtend ihre Lanze,

Blut entflammt sich. Rings die ganze

Landschaft glüht in einem Brand.

Eine Kirche fühlt das Feuer

Auf dem Dache. Ihre Glocken

Werden glühend und frohlocken,

Und mein Herz klingt auf mit ihr.