Der Trinker im Frühling

Felicitas Kukuck

Wenn nur ein Traum das Dasein ist,

Warum denn Müh und Plag?

Ich trinke, bis ich nicht mehr kann,

Den ganzen, lieben Tag!

Und wenn ich nicht mehr trinken kann,

Weil Leib und Kehle voll,

So tauml' ich hin vor meiner Tür

Und schlafe wundervoll!

Was hör ich beim Erwachen? Horch!

Ein Vogel singt im Baum.

Ich frag ihn, ob schon Frühling sei,

Mir ist als wie im Traum.

Der Vogel zwitschert: "Ja! Der Lenz

Sei kommen über Nacht!"

Ich seufze tief ergriffen auf

Der Vogel singt und lacht!

Ich fülle mir den Becher neu

Und leer ihn bis zum Grund

Und singe, bis der Mond erglänzt

Am schwarzen Firmament!

Und wenn ich nicht mehr singen kann,

So schlaf ich wieder ein,

Was geht denn mich der Frühling an!?

Laßt mich betrunken sein!