Sehnsucht
Ferdinand Schulz
Ich denk' an euch, ihr himmlisch schönen Tage
Der seligen Vergangenheit!
Komm', Götterkind, o Phantasie, und trage
Mein sehnend Herz zu seiner Blütezeit!
Umwehe mich, du schöner, goldner Morgen,
Der mich herauf ins Leben trug,
Wo, unbekannt mit Thränen und mit Sorgen,
Mein frohes Herz der Welt entgegenschlug!
Umglänze mich, du Unschuld früher Jahre,
Du mein verlornes Paradies!
Du süße Hoffnung, die mir bis zur Bahre
Nur Sonnenschein und Blumenwege wies!
Seid noch einmal ans treue Herz geschlossen,
Ihr Freunde meiner Jugendzeit!
Wo seid ihr hin, ihr traulichen Genossen,
Ihr Lieben, die sich sonst mit mir gefreut?
Ach, Viele schon hält tiefe Nacht umfangen!
Sie schlummern in der Mutter Arm!
Blüht wieder auf, ihr eingesunknen Wangen!
Ihr kalten Herzen, werdet wieder warm!
Umsonst! umsonst! mein Sehnen ruft vergebens
Erstorbne Freuden wieder wach!
Sie welken schnell, die Blumen unsers Lebens,
Und wir -- wir welken ihnen langsam nach!
O schönes Land, wo Blumen wieder blühen,
Die Zeit und Grab hier abgepflückt!
O schönes Land, in das die Herzen ziehen,
Die sehnsuchtsvoll zu dir empor geblickt!
Uns Allen ist ein schwerer Traum beschieden;
Wir Alle wachen fröhlich auf!
Wie sehn' ich mich nach deinem Gottesfrieden,
Du Ruheland, nach deinem Sabbath auf!