Lied
(Franz) Carl Adalbert Eberwein
Ach, warum weiter, du eilende Welle,
Führst Du den sehnenden Menschen durch's Leben?
Nimmer verweilend auf blumiger Stelle,
Kann er der Freude sich nimmer ergeben!
Weit schon hinter seinen Tritten
Liegt die schöne goldne Zeit!
Fern ist seine Seligkeit!
Welt und ihrer Lust geweiht,
Hat er tiefen Gram erlitten.
Und aus seinem Blick entschwunden
Ist der Zukunft goldner Schein.
Nur Erinn'rung noch allein
Mag zum Kranz ihm Blumen reihn,
In der heil'gen Weihe Stunden.
Fliehe, du eilende Welle, denn nimmer!
Mag dich beschwören der Sterblichen Keiner.
Doch in des Liedes unsterblichem Schimmer
Wandelst du sanfter, und glänzest du reiner.
Sturmwind saus't mit kaltem Flügel
Über deinem dunkeln Gang.
Sieh, du eilst die Wüst' entlang!
Weit zurück ist Festesklang,
Blumen welken dort am Hügel.
Aber freundliche Gestalten
Treten aus der dunkeln Nacht.
Wunderbarer Schimmer lacht,
Ausgeströmt von höh'rer Macht,
Wo die milden Engel walten.
Du auf des Lebens verrinnender Welle,
Singe den Schützenden freundliche Lieder,
Und es entblühen in zaubrischer Helle
Blumen der lächelnden Kindheit dir wieder.