Pflicht und Liebe

Franz Danzi

Du, der ewig um mich trauert,

Nicht allein, nicht unbedauert,

Jüngling, seufzest du;

Wann vor Schmerz die Seele schauert,

Lüget meine Stirne Ruh.

Deines nassen Blickes Flehen

Will ich, darf ich nicht verstehen;

Aber zürne nicht!

Was ich fühle, zu gestehen,

Untersagt mir meine Pflicht.

Unbekannt mit Reu' und Leide,

Wie die Lämmchen auf der Weide,

Spielten ich und du.

Jeder Tag rief uns zur Freude,

Jede Nacht zur sanften Ruh.

[Ewig sind wir nun geschieden!

Damon, liebst du Philaiden,

Fleuch ihr Angesicht!

Nimm ihr nicht der Tage Frieden,

Und der Nächte Schlummer nicht!

Freund, schweif' aus mit deinen Blicken!

Laß dich die Natur entzücken,

Die dir sonst gelacht!

Ach, sie wird auch mich beglücken,

Wenn sie dich erst glücklich macht.]

Trauter Jüngling, lächle wieder!

Sieh, beym Gruße froher Lieder,

Steigt die Sonn' empor!

Trübe sank sie gestern nieder;

Herrlich geht sie heut' hervor.