Abendandacht

Franz Jacob Freystädtler

Herr, es gescheh dein Wille!

Der Körper eilt zur Ruh:

Es fallen in der Still

Die müden Augen zu.

Vergieb der Schwachheit Sünden

Verschon mit Zorn und Straf.

Laß mich bereitet finden

Zum Tode, wie -- zum Schlaf.

Laß, fern von Schreckenbildern

Und wilder Phantasey,

Die Seele sich nicht schildern,

Was ihrer unwerth sey!

Laß frey von eitlen Sorgen

Mich wieder auferstehn,

Und auf den Kampfplatz morgen

Mit neuen Kräften gehn.

Doch, wenn mit festem Schlummer

Des Todes letzte Nacht

Den Freuden, sammt den Kummer,

Ein schnelles Ende macht;

Herr, stört mich, wenn der Schrecken

Der letzten Stunde droht.

Mein Gott wird mich erwecken;

Ein Schlaf nur ist mein Tod.

Dein Heil hab ich gesehen;

In Frieden fahr ich hin,

Weil ich, beym Auferstehen,

In deinem Reich bin.

Wohl dem, der bis ans Ende

Sich als ein Christ erweist!

Mein Gott, in deine Hände

Befehl ich meinen Geist!