Fierrabras

Schubert, Franz

KÖNIG KARL (Bass)

EMMA, seine Tochter (Sopran)

ROLAND,fränkischer Heerführer (Bariton)

OGIER, fränkischer Heerführer (Tenor)

EGINHARD, Ritter an Karl's Hofe (Tenor)

BOLAND, Fürst der Mauren (Bass)

FIERRABRAS, sein Sohn (Tenor)

FLORINDA, seine Tochter (Sopran)

MARAGOND, ihre Vertraute (Sopran)

BRUTAMONTE, maurischer Anführer (Bass)

OLIVIER (Sprechrolle)

CHORFränkische und maurische Ritter und Krieger. Jungfrauen. Volk

SYSTEMERSTER AKT

Halle im königlichen Schlosse, welche hinten offen ist, links eine Thür, rechts ein Fenster

SYSTEMERSTE SZENE

Emma mit weiblicher Handarbeit beschäftigt. Jungfrauen spinnend

CHORDer zarte Silberfaden rinnt emsig durch die Hand;

CHORErst glänzt er im Gewebe, und dann im Festgewand.

(SOLO)Sobald der Säugling grüsset das Licht, das ihn belebt,

(SOLO)Die Hülle ihn umfliesset, von Spinnerhand gewebt.

(SOLO)Am Tag der höchsten Freude, am frohen Hochzeitstag,

(SOLO)Formt sich zum Feierkleide, was Spinnerhand vermag.

ALLEDer zarte Silberfaden

etc.

Emma ist während des Liedes in trübes Nachsinnen versunken

EMMAIhr hört schon auf?

SYSTEMEINE SPINNERIN.

EMMADer Schluss ist gar zu traurig.

EMMADrum grade lieb' ich ihn.

SYSTEMEINE SPINNERIN.

EMMAWohlan, so singt ihn selbst.

EMMADie Thränen birgt das Linnen um heil'ger Treue Bruch;

EMMARuft dich der Tod von hinnen, birgt dich das Leichentuch.

Emma steht auf und geht langsam zum Fenster, wo sie gedankenvoll stehen bleibt. Die Mädchen packen während des Folgenden ihre Arbeit zusammen und gehen links ab

ALLEDer zarte Silberfaden rinnt emsig durch die Hand,

ALLEWer weiss, ob er nicht dienet dereinst zum Trauerpfand.

Die Mädchen ab. Eginhard tritt ein. Sobald er sieht, dass die Mädchen weggegangen sind, geht er zu Emma, die ihn nicht bemerkt und fasst ihre Hand

SYSTEMZWEITE SZENE

EMMA UND EGINHARD

ALLEGeliebte!

erschrickt, dann zärtlich

EMMAEginhard, bist du's?

EGINHARDWas macht dich so erbeben, liebst du mich nicht mehr?

EMMAOb ich dich liebe!

EMMAIch liebe dich, und lass dich nicht,

EMMAWenn auch Gefahren uns umdrohn!

EGINHARDDer König kehrt zurück!

EMMAMein Vater! - mein ganzer Muth sinkt mir dahin.

zieht sie an sich

EGINHARDO fasse dich!

EGINHARDO mög' auf froher Hoffnung Schwingen

EGINHARDBald unser Glück der Nacht entflieh'n.

EMMAZum fernen Ziele lass uns ringen

EMMAMit reiner Sehnsucht heissem Glüh'n.

BEIDEreue Liebe lässt die Seele

BEIDEMuthig trotzen jeder Pein,

BEIDEWie uns auch der Kummer quäle,

BEIDEEndlich lacht uns Sonnenschein!

Lärm hinter der Scene

EGINHARDDer König naht; auf Wiedersehen.

Er geleitet sie schnell an die Thür links. Emma ab

SYSTEMDRITTE SZENE

Eginhard, König Karl, Roland, Ogier und gefangene Mauren. König Karl, von Roland, Ogier, Rittern, Damen und Pagen umgeben, naht in feierlichem Zuge und besteigt einen an der linken Seite errichteten Thron, während ihm von dem eindringenden Volke laute Huldigungen dargebracht werden. Eginhard verbeugt sich vor ihm, der König und die Ritter begrüssen Eginhard. Trabanten tragen die eroberten Trophäen voraus

EGINHARD.

MÄNNER UND RITTERAus blutigem Gefechte

MÄNNER UND RITTERDer Sieger kehrt zurück;

MÄNNER UND RITTERDie Feinde wurden Knechte

MÄNNER UND RITTERUns strahlte hold das Glück.

FRAUEN UND JUNGFRAUENDen Sieger lasst uns schmücken

FRAUEN UND JUNGFRAUENMit frischem Lorbeerkranz,

FRAUEN UND JUNGFRAUENWie strahlt aus seinen Blicken

FRAUEN UND JUNGFRAUENDes edeln Muthes Glanz.

ALLEAus blutigem Gefechte etc.

KARLDen Sieg hat Gott in unsre Hand gegeben,

KARLEuch wackern Helden sagt der König Dank.

KARLMit dem geschlag'nen Maurenfürsten Boland

KARLGilt's noch den Frieden zu verhandeln.

KARLMit milder Botschaft send' ich euch zu ihm.

KARLDu, Eginhard, getreuer Hüter meines Hauses,

KARLSchliess dich dem Friedenszuge an.

Eginhard verbeugt sich mit einiger Verlegenheit; zustimmende Bewegung unter den Übrigen

ROLANDGeruhe, grosser König,

ROLANDJetzt der Gefang'nen Schicksal zu entscheiden.

KARLSo sei's; führt die Gefang'nen vor.

Roland giebt nach dem Hintergrunde zu ein Zeichen. Während des folgenden Chores werden die gefangenen Mauren hereingeführt, welche dem König zu Füssen fallen. Fierrabras befindet sich unter ihnen; er allein bleibt mit verschlungenen Armen und finster trotzigem Ausdruck stehen, ohne aufzublicken

SYSTEMCHOR.

KARLDie Krieger nah'n aus Feindesland,

KARLDie unser Heer stark überwand.

SYSTEMKARL.

KARLDes Krieges Los hat euch mir übergeben,

KARLDoch fürchtet nichts: im wilden Sturm der Schlachten

KARLSei von dem Sieger Grossmuth nie vergessen.

KARLSteht auf!

Sie stehen auf.

KARLZur Heimat kann ich euch nicht senden,

KARLDoch wandle jeder frei in meinem Staat,

KARLBis segenvoll der Friede wiederkehrt.

SYSTEMCHOR.

KARLDem Fürsten Heil und Segen,

KARLDer milde Eintracht schafft!

KARLIhm spriesset froh entgegen

KARLDes Volkes beste Kraft.

nachdem er den noch immer unbeweglich stehenden Fierrabras scharf beobachtet

KARLWer bist du, dessen tiefgesenkter Blick

KARLDie Erde sucht? Ob Zorn, ob Scham dich leite,

KARLSag' an!

Fierrabras macht eine Bewegung des Unwillens

KARLGar ungestümen Sinnes scheinst du.

SYSTEMROLAND.

KARLVerzeih' ihm, Herr; die Scham -

SYSTEMKARL.

KARLMacht ihn verwegen;

KARLDoch soll er Rede steh'n. Sag', stolzer Fremdling,

KARLWas bindet deine Zunge?

Scharf

KARLGieb mir Antwort!

auffahrend

FIERRABRASVerdammenswerthes Schicksal!

SYSTEMROLAND.

FIERRABRASLass ihn schweigen,

FIERRABRASIhn quälet sein Geschick. - Am Rand der Ebene,

FIERRABRASWo sich des Heeres ganze Macht entfaltet,

FIERRABRASDrang durch die engen, dichtgeschloss'nen Reih'n

FIERRABRASMit wildem Muth der Tapfre auf mich ein;

FIERRABRASTod ist sein Blick, Verderben seine Streiche,

FIERRABRASRings Alles weicht; da beut er mir den Kampf.

FIERRABRASAlsbald entbrennt ein mörderisches Kämpfen,

FIERRABRASDas Alle mit Bewunderung erfüllt;

FIERRABRASLang währt der Streit im Angesicht des Heeres,

FIERRABRASDas staunend theils und fürchtend uns umgiebt,

FIERRABRASBis endlich, übermannt, er mir erliegt. -

Gebärde finstren Unmuths von Seite des Fierrabras

FIERRABRASGefangen steht er hier, doch als ein Held.

Fierrabras verharrt in stolzer ablehnender Haltung

KARLEin Held, ward er besiegt von einem Helden.

Zu Fierrabras

KARLDein Los ist traurig zwar, doch ehrenvoll.

ROLANDO Herr, noch kennst du nicht den Feind, der vor dir steht;

ROLANDSo höre: Fierrabras ist's, den du siehst,

ROLANDDes Maurenfürsten Sohn.

steht auf, gewichtig

KARLNimm deine Freiheit! bist du ein Held,

KARLWirst du sie nicht missbrauchen.

Fierrabras verneigt sich ehrfurchtsvoll vor Karl. Roland geht auf Fierrabras zu und reicht ihm die Hand

SYSTEMVIERTE SZENE

Vorige, Emma mit Jungfrauen. Sobald Fierrabras Emma erblickt, lässt er die äusserste Überraschung erkennen

naht Karl und überreicht ihm einen Kranz

EMMADer Landestöchter fromme Pflichten

EMMAWeih'n, Vater, dir die Heldenzier;

EMMAMir ward das Amt, es zu verrichten,

EMMAFür sie reich' ich den Lorbeer dir.

Karl schliesst Emma zärtlich in die Arme

JUNGFRAUENVaterhuld und milder Sinn

JUNGFRAUENSchmückt den hohen Helden.

JUNGFRAUENSeiner Tugenden Gewinn

JUNGFRAUENWird die Sage melden.

KARLMir darfst du, Tochter, diesen Kranz nicht weihen,

KARLDer Held des Tags

Auf Roland zeigend

KARLhat ihn verdient.

KARLIhm, Roland, ihm, dem Sieger, dem Bezwinger,

KARLIhm reich' den grünen Kranz, des Sieges Ehre.

Die Jungfrauen nahen, Roland lässt sich auf ein Knie nieder und empfängt den Kranz. Fierrabras betrachtet Emma mit leidenschaftlichen Blicken

JUNGFRAUENDir reichen wir mit Freuden

JUNGFRAUENDen Kranz, du starker Held,

JUNGFRAUENDer du der Feinde Scharen

JUNGFRAUENMit kühner Hand zerschellt.

leise zu Roland

FIERRABRASWehe mir! Die Heissgeliebte ist's,

FIERRABRASDie ich in Rom beim heil'gen Fest erblickt

FIERRABRASUnd der mein ganzes Herz gehört.

in höchster Überraschung, leise

ROLANDWelche Ahnung! - doch sie, die an deiner Seite stand,

FIERRABRAS- war meine Schwester.

ROLANDSag', lebt sie noch?

FIERRABRASSie lebt.

KARLNun weiht euch alle der Siegesfreude

KARLZum Friedenszuge ruft euch der neue Tag.

CHORAus blutigem Gefechte

CHORDer Sieger kehrt zurück,

CHORDie Feinde wurden Knechte,

CHORUns strahlte hold das Glück.

Alle ab ausser Fierrabras und Roland

SYSTEMFÜNFTE SZENE

FIERRABRAS UND ROLANDKaum wag' ich es zu glauben:

FIERRABRAS UND ROLANDDie Theure, die so plötzlich ich verlor,

FIERRABRAS UND ROLANDIst deine Schwester.

FIERRABRASIn Treuen denkt des Frankenritters sie,

FIERRABRASDess liebeglüh'nde Blicke die ihren fanden.

FIERRABRASJa, mein Freund! Dir lacht das Glück auf allen Wegen.

FIERRABRASDoch trübe ist mein Geschick: nie nenn'

FIERRABRASIch Emma, die Holde, mein.

ergreift seine Hand

ROLANDSei der Unsre ganz, und lass uns fest

ROLANDAuf die Zukunft bauen.

FIERRABRAS UND ROLANDLass uns muthvoll hoffen,

FIERRABRAS UND ROLANDBis das Ziel erreicht.

FIERRABRAS UND ROLANDLass uns kraftvoll ringen

FIERRABRAS UND ROLANDBis der Kummer weicht.

FIERRABRAS UND ROLANDNoth und Mühe schrecken

FIERRABRAS UND ROLANDTapfre nicht zurück:

FIERRABRAS UND ROLANDDen, der kühn gerungen,

FIERRABRAS UND ROLANDLohnt das höchste Glück.

FIERRABRAS UND ROLANDVerwandlung

Garten. Im Hintergrunde links Frauenwohnung mit einem Balkon. Nacht. Mondschein

SYSTEMSECHSTE SZENE

späht vorsichtig umher, er trägt eine Laute und nähert sich der Wohnung

EGINHARDDer Abend deckt die stille Flur,

EGINHARDMein Glück muss ich bald meiden;

EGINHARDGeliebte, hör' der Liebe Schwur,

EGINHARDBald muss dein Treuer scheiden.

EGINHARDO bittrer Trennung schweres Los,

EGINHARDDie Thräne schwimmt im Blicke,

EGINHARDSein herb Geschick, es reisst ihn los

EGINHARDVom kaum gefühlten Glücke.

Emma wird auf dem Balkon sichtbar

EMMADoch kehrst du heim im Siegesglanz,

EMMADann naht dein Glück aufs Neue;

EMMADes Ruhmes schwer errung'nen Kranz

EMMAReicht dir die Hand der Treue.

Emma verschwindet vom Balkon und kommt sogleich unten aus der Thür. Eginhard umarmt sie und geleitet sie zärtlich nach links in den Garten

SYSTEMSIEBENTE SZENE

Fierrabras hinter der Scene

kommt langsam von rechts

FIERRABRASWas quälst du bange Ahnung mich?

FIERRABRASDer Zweifel foltert meine Seele;

FIERRABRASIch sauge Lust aus ihrem Blick

FIERRABRASDoch sie! wird sie den Liebenden erhören.

FIERRABRASIn tiefbewegter Brust

FIERRABRASRegt sich ein leises Sehnen;

FIERRABRASDie Hoffnung schmeichelt süss,

FIERRABRASDarf ich Erfüllung wähnen?

FIERRABRASO schweig! verzagtes Herz!

FIERRABRASVerstummt, sehnsücht'ge Klagen!

FIERRABRASDem Manne ziemt nicht Schmerz,

FIERRABRASEr muss mit Fassung tragen.

FIERRABRASIn tiefbewegter Brust etc.

Bewegung in der Wohnung, die Fenster werden abwechselnd erhellt

FIERRABRASDoch horch! was regt sich noch in stiller Nacht?

FIERRABRASDes Flügels Fenster sind erleuchtet.

FIERRABRASBald leises Murren, bald ein wilder Lärm -

von innen

MÄNNERCHORWo ist sie? schnell, verschwunden ist jede Spur!

FIERRABRASSeltsam Gebahren! Was mag das sein?

FIERRABRASBelauschen will ich das nächtliche Treiben.

Er tritt seitwärts

SYSTEMACHTE SZENE

Fierrabras, Emma, Eginhard, Männer hinter der Scene

Emma und Eginhard eilen auf die Bühne

EMMA UND EGINHARDAngst und Schrecken

EMMA UND EGINHARDTief erfassen, dumpf bedecken

EMMA UND EGINHARDSie die Brust!

EMMA UND EGINHARDSchnell entfliehe

EMMA UND EGINHARDWer sich schwerer Schuld bewusst!

drinnen

MÄNNEROhne Verweilen verfolgt die Spuren,

MÄNNERSchnell verschwunden ist jede Spur!

Eginhard will entfliehen, Fierrabras tritt ihm entgegen

SYSTEMFIERRABRAS.

MÄNNERHa, hier waltet ein Verrath!

Zu Eginhard

MÄNNERIch lass dich nicht entrinnen!

EGINHARD UND EMMA's ist Fierrabras!

EMMAHa, Fierrabras!

FIERRABRASWer ihr auch seid, die ihr des Hauses Ehre höhnt,

FIERRABRASZur Rache seht mich hier bereit.

Er stellt sich Eginhard entgegen

SYSTEMEMMA.

FIERRABRASO schonet uns!

FIERRABRASWas seh' ich, Emma!

EGINHARDO lass mich flieh'n!

ihn erkennend

FIERRABRASEginhard! Was muss ich seh'n!

EMMA UND EGINHARDWie er verworren blicket,

EMMA UND EGINHARDKaum birgt er seinen Drang.

EMMA UND EGINHARDDie Schuld, die mich bedrücket,

EMMA UND EGINHARDErfüllt das Herz so bang!

FIERRABRASDer Rache Gluth ersticket

FIERRABRASIn mir des Mitleids Drang;

FIERRABRASEr ist's, den sie beglücket,

FIERRABRASDer ihre Gunst errang!

wirft sich Fierrabras zu Füssen

EMMASchütz' den Geliebten, rette mich vor Schmach!

hebt sie auf

EGINHARDFleh' den Barbaren nicht um Grossmuth an,

EGINHARDDurch seine Brust bahn' ich uns den Weg.

Eginhard zieht sein Schwert, das ihm Fierrabras mit einem schnellen Schwertstreich aus der Hand schlägt

mit bittrem Hohn

FIERRABRASMerkt auf, ob der Barbar die Grossmuth kennt.

Auf Emma zeigend

FIERRABRASWie heiss ich sie geliebt, weiss Gott allein,

FIERRABRASVerderben könnt' ich beide euch! -

FIERRABRASSeid beide frei!

EMMA UND EGINHARDHab' Dank, du Retter in Gefahren.

EMMA, EGINHARD UND FIERRABRASLeb' wohl, mög' dich des Himmels Schutz bewahren!

Eginhard entflieht, der Lichtschein in der Frauenwohnung ist erloschen

EMMA, EGINHARD UND FIERRABRAS.

SYSTEMNEUNTE SZENE

EMMA UND FIERRABRASNun fasset Muth! Verbannt sei Eure Furcht,

EMMA UND FIERRABRASIch schütze Euch, Ihr habt mein Ehrenwort.

EMMA UND FIERRABRASWollt Ihr mir folgen, hohe Königstochter,

EMMA UND FIERRABRASIch führ' Euch bald an Eures Vaters Brust.

erschrickt

EMMANein nimmermehr!

EMMAAch, was soll ich beginnen,

EMMALass uns auf Rettung sinnen,

EMMASieh' meiner Thränen Fluth,

EMMALass nichts den Vater wissen,

EMMADen Frevel würd' ich büssen

EMMAMit des Geliebten Blut.

FIERRABRASIn Euer Haus geleit' ich Euch zurück!

FIERRABRASEurem Wunsch will ich mich beugen

FIERRABRASMit männlich festem Muth.

Fierrabras fasst Emma an der Hand, um sie in die Frauenwohnung zu geleiten; wie sie an der Pforte sind, tritt der König mit Gefolge, Dienern mit Fackeln, aus der Thür

SYSTEMZEHNTE SZENE

SYSTEMVORIGE, KARL UND GEFOLGE.

FIERRABRASHa!

KARLWie! Emma hier? Und der Barbar bei dir?

Zu Fierrabras

KARLSo achtest du des Gastrechts heil'ge Sitten?

KARLVerführer!

auffahrend

FIERRABRASDas ist zu viel! - So wisset -

Er sieht auf Emma und hält plötzlich inne

KARLIch weiss genug, dich zu verachten! Man rufe Roland!

Einige aus dem Gefolge entfernen sich, um Roland zu holen

EMMA UND FIERRABRASDas Blut fühl' ich erstarren

EMMA UND FIERRABRASIm Kampf mit Lieb' und Pflicht,

EMMA UND FIERRABRASWird er die Schuld gewahren,

EMMA UND FIERRABRASTrifft uns sein Strafgericht.

KARLMit Strenge zu verfahren,

KARLGebeut mir Vaterpflicht,

KARLIch will ihn wohl verwahren,

KARLDer so Verträge bricht.

SYSTEMELFTE SZENE

VORIGE UND ROLANDDich rief ich, Roland, dich bewährt und redlich,

VORIGE UND ROLANDDer meines Hauses Ehre stets bewacht.

VORIGE UND ROLANDIn deine Hände geb' ich den Verräther,

VORIGE UND ROLANDDass er den Frevel büss' in Kerkers Nacht.

ROLANDWas ist gescheh'n? o sprich!

KARLWohl wirst du staunen!

KARLAn Emma wagt' der Kühne sich vermessen,

KARLEntführte mit Gewalt sie meinem Arm.

ROLANDWär's möglich!

Zu Fierrabras

ROLANDUnsel'ger!

KARLMit Recht fasst, Edler, dich Entsetzen,

KARLDrum fort mit ihm!

ROLANDVergieb' ihm, den die Leidenschaft verblendet!

KARLKein Mitleid!

KARLSolch frevle That verdienet solchen Lohn.

ROLANDO Herr, bedenk, er hat mir selbst bekannt,

ROLANDHeiss ist seine Liebe, doch so rein wie Gold!

befehlend

KARLDu schweige und gehorche!

KARLDu haftest mir für ihn!

Trompeten hinter der Bühne

KARLDu hörst dies Zeichen, tapf'rer Held, bald will es tagen,

KARLAn euer Werk gemahnt der frühe Ruf;

KARLDrum eil', dich zu den Freunden zu gesellen,

KARLDass ihr die Friedenssendung klug vollbringt.

Auf Fierrabras deutend

KARLFür meinen Zorn bleib' er indess verwahrt.

KARLWas er verbrach an meines Hauses Ehre,

KARLDas büsse er mit harter Ahndung Schwere!

Während des folgenden Chores füllt sich bei allmählichem Tagesaubruch der Hintergrund mit Rittern und Kriegern, welche zum Gesandtschaftszuge gehören. Sie führen eine weisse Fahne, eine Palme und mehrere Symbole des Friedens

CHOR DER RITTER UND KRIEGERFort zum Feinde schickt uns König Karls Geheiss,

CHOR DER RITTER UND KRIEGERDoch der Friede bildet unsrer Sendung Preis.

EMMA UND FIERRABRASDulden still und schweigen

EMMA UND FIERRABRASIst mir Pflichtgeheiss

EMMA UND FIERRABRASUnd kein Blick darf zeigen,

EMMA UND FIERRABRASWas die Seele weiss.

ROLANDErnst und Strenge zeigen,

ROLANDIst ihm Pflichtgeheiss,

ROLANDUnd ich muss mich beugen,

ROLANDGiebt er sie auch preis.

KARLErnst und Strenge zeigen,

KARLIst mir Pflichtgeheiss,

KARLVor des Frevels Zeugen

KARLGebe ich ihn preis.

Sie ordnen sich zum Zuge. Eginhard tritt in glänzender Rüstung auf, um sich an die Spitze des Zuges zu stellen. Als Emma ihn erblickt, beginnt sie zu wanken und sinkt in Roland's Arme. Eginhard will herbeieilen, wird aber durch eine abweisende Gebärde Karl's zurückgehalten und zieht mit den Rittern davon. Der Vorgang spielt sich sehr schnell ab

SYSTEMZWEITER AKT

Felsige schluchtenreiche Gegend an der französischen Grenze, von einer Anhöhe begrenzt, über welche die Ritter herabkommen. Rechts ein Felsenvorsprung mit engem Zugang. Morgen

SYSTEMERSTE SZENE

Eginhard, Ogier und Ritter mit der weissen Fahne, Palme und den anderen Friedenszeichen. Als sie am Abhang der Höhe stehen, kehren sie sich noch einmal nach der Seite, von welcher sie gekommen sind

EGINHARDIm jungen Morgenstrahle,

EGINHARDDen Blick dir zugewandt,

EGINHARDGrüss' ich zum letzten Male

EGINHARDDich, theures Vaterland.

DIE RITTERIm jungen

etc.

hinter der Scene. Freudige Bewegung unter den Rittern

ROLANDDer frühe Morgen sendet

ROLANDUns gold'gen Sonnenschein!

ROLANDDoch wie der Tag noch endet,

ROLANDDas weiss nur Gott allein.

hinter der Scene

RITTERDer frühe Morgen sendet etc.

Roland kommt mit Rittern auf die Bühne. Herzliche Bewillkommnung zwischen ihm, Eginhard und Ogier, sowie zwischen den Rittern

EGINHARD UND ROLANDO ew'ge Mächte, weilet

EGINHARD UND ROLANDOb uns in milder Huth,

EGINHARD UND ROLANDEh' uns Verrath ereilet,

EGINHARD UND ROLANDBefreiet uns von Schuld.

ALLE RITTERO ew'ge Mächte etc.

etwas erregt zu Roland

EGINHARDWie geht's Prinzessin Emma?

ROLANDSie hat sich schnell erholt,

ROLANDDer Schreck nur übermannte sie,

ROLANDDa Fierrabras, der Allzukühne,

ROLANDAn ihr sich zu vergreifen wagte.

in höchster Betroffenheit

EGINHARDFierrabras!

ROLANDSo ist's.

ROLANDDafür schmachtet er jetzt in Ketten.

ausser sich

EGINHARDFierrabras in Ketten!

ROLANDDoch Freunde kommt, seid vorsichtig jetzt,

ROLANDWir gehn durch Feindesland.

Die Ritter gehen ab, während Eginhard in finster brütender Haltung vorn zurückbleibt

ROLANDWohlan, Eginhard!

fährt auf

EGINHARDLass einen Augenblick mich nur allein, ich folge gleich.

Roland geht ab

SYSTEMZWEITE SZENE

allein

EGINHARDO Gott! was hab' ich gehört!

EGINHARDFierrabras, schuldlos, schmachtet im Kerker.

mit Entschluss

EGINHARDBeschlossen ist's, ich löse seine Ketten!

Zwei Mauren spähen hinter einem Felsen hervor und verschwinden wieder. Hinter einem anderen Felsen werden andere Mauren sichtbar, die ebenfalls verschwinden

EGINHARDDer Wunsch erfüllt mich reuevoll und heiss,

EGINHARDUm ihn, den tiefgekränkten Freund zu retten,

EGINHARDGeb' ich mein Leben, meine Liebe preis.

SYSTEMDRITTE SZENE

Eginhard, Brutamonte und Mauren

Eginhard, das Gesicht den links davonziehenden Rittern zugewandt, bleibt, in trübes Nachsinnen versunken, stehen. Von der Höhe und aus der Schlucht im Hintergrunde rechts schleicht Brutamonte mit einer Abtheilung Mauren heran. Als sie Eginhard erblicken, bleiben sie erst, ihn beobachtend, stehen - dann deuten sie auf die in der Entfernung wandernden Ritter, sehen ihnen durch längere Zeit nach, und als sie dieselben entfernt genug glauben, kommen sie von der Anhöhe herab und nähern sich Eginhard, der sie nicht bemerkt. Die Vorderen unter ihnen wollen Eginhard ergreifen. Dieser entwindet sich ihnen mit einer geschickten Seitenbewegung und zieht das Schwert gegen sie. Kämpfend gewinnt Eginhard den Felsenvorsprung im Vordergrunde rechts, auf den er hinaufeilt. Er schlägt die nacheilenden Mauren zurück und stösst ins Horn. In der Ferne ertönt ein Antwortsignal

aufmerksam horchend

BRUTAMONTE UND DIE MAURENWas mag der Ruf bedeuten?

BRUTAMONTE UND DIE MAURENSeid wohl auf eurer Hut!

BRUTAMONTE UND DIE MAURENSchafft ihn hinweg bei Zeiten,

BRUTAMONTE UND DIE MAURENSonst strömet unser Blut!

Eginhard stösst ins Horn

BRUTAMONTE UND DIE MAUREN.

SYSTEMEGINHARD.

BRUTAMONTE UND DIE MAURENBald wird sich's klar entscheiden,

BRUTAMONTE UND DIE MAURENIch lache ihrer Wuth;

BRUTAMONTE UND DIE MAURENDas Todeslos zu meiden,

BRUTAMONTE UND DIE MAURENSteh' ich in Freundes Huth!

Eginhard stösst ins Horn. Sie machen einen neuen Angriff, den Eginhard zurückschlägt. Fortwährender Kampf; die Mauren besetzen nach und nach den Zugang

zu den Mauren

BRUTAMONTESchnell, eh' sie nahen, fasset ihn!

BRUTAMONTEZum Fürsten führt den Kühnen hin!

DIE MAUREN UND BRUTAMONTEWillst du noch widersteh'n?

DIE MAUREN UND BRUTAMONTESchnell mit dem Frevler fort,

DIE MAUREN UND BRUTAMONTEEr kann uns nicht entrinnen:

DIE MAUREN UND BRUTAMONTEVerjagt vom sichern Ort,

DIE MAUREN UND BRUTAMONTEMuss er mit uns von hinnen.

Die Mauren lauschen auf den Hornruf, dann bedrängen sie ihn von Neuem

EGINHARDVerrath an diesem Ort

EGINHARDWird euch kein Frommen bringen.

Die Mauren haben den Felsenvorsprung von hinten erklommen und überwältigen Eginhard. Alle schnell ab

EGINHARD.

SYSTEMVIERTE SZENE

kommen schnell zurück; sie spähen überall umher

ROLAND, OGIER UND DIE ÜBRIGEN RITTERWas ist ihm gescheh'n?

ROLAND, OGIER UND DIE ÜBRIGEN RITTEREr ist nicht zu seh'n.

ROLAND, OGIER UND DIE ÜBRIGEN RITTERWas hat er begonnen?

ROLAND, OGIER UND DIE ÜBRIGEN RITTERDie Zeit ist verronnen!

ROLAND, OGIER UND DIE RITTERVerfolget die Spuren im hastigen Lauf,

ROLAND, OGIER UND DIE RITTERWir folgen den Spuren im hastigen Lauf,

ROLAND, OGIER UND DIE RITTERIn Thälern und Fluren schnell /suchet wir / finden ihn auf.

Sie zerstreuen sich nach allen Richtungen

SYSTEMVerwandlung

SYSTEMFÜNFTE SZENE

Gemach im Schlosse des Maurenfürsten Boland zu Agrimore, nach Art eines Zeltes, mit einem Vorhange geschlossen.

Florinda und Maragond

FLORINDAWeit über Glanz und Erdenschimmer

FLORINDARagt meiner Wünsche hohes Ziel,

FLORINDAUnd jedem Glück entsagt' ich immer,

FLORINDALohnt mich der Liebe süss Gefühl.

MARAGONDO mög' der Schein dich nicht bethören,

MARAGONDVerrath ist der Gedanke schon.

FLORINDANur seiner Stimme Klang zu hören,

FLORINDAIst aller Leiden höchster Lohn.

MARAGONDO könnt' ich es umfangen,

MARAGONDDas lieblich holde Bild!

MARAGONDMein glühendes Verlangen

MARAGONDWird nimmer wohl erfüllt.

MARAGONDVon trostlos stillem Bangen

MARAGONDIst meine Brust erfüllt;

MARAGONDAch, nie wird ihr Verlangen,

MARAGONDNie ihre Lust gestillt.

Boland tritt ein

SYSTEMSECHSTE SZENE

Vorige, Boland und Eginhard

BOLANDMein gutes Kind, warum so traurig?

sich schnell besinnend

FLORINDAFierrabras', des tapfern Bruders Schicksal macht mir Sorge.

BOLANDMein armer Sohn!

Brutamonte und einige maurische Soldaten führen den gefangenen Eginhard herein

BRUTAMONTEO Herr, diesen Franken nahmen wir gefangen,

BRUTAMONTEEr sagt, er komm' vom König Karl, Frieden zu bringen.

zu Eginhard

BOLANDWas weisst du von Fierrabras?

sehr beklommen

EGINHARDO frage nicht!

EGINHARDGefangen ward er in der Schlacht,

EGINHARDKönig Karl gab ihm die Freiheit;

EGINHARDDoch alsbald schimpflich ward er eingekerkert,

EGINHARDIhn verrieth ein falscher Freund -

halb sprachlos

BOLANDUnd - dieser Freund -

in wildem Schmerz

EGINHARD- war ich!

Boland macht eine heftige Gebärde gegen ihn

BOLANDVerderben denn und Fluch der falschen Frankenbrut!

BOLANDFLORINDA, MARAGOND und EGINHARD

BOLANDDes Fürsten vollen Zorn / wird er / werd' ich/ mit Recht erfahren.

BOLANDDie Qual, die / er / ich / gebracht, /er / ich / muss sie selbst erfahren.

BOLANDHinab in Todesnacht send' ich der Frevler Scharen,

BOLANDSie werden meinen Zorn mit vollem Recht erfahren.

SYSTEMBRUTAMONTE.

BOLANDAuf ihrer Grösse Trümmer blüht unsers Ruhmes Ziel.

BOLANDDas Herz entsaget nimmer der Rache blut'gem Spiel.

BOLANDSchnell in den Kerker mit dem Frevler.

Zu Eginhard

BOLANDMit dem Tode sollst du büssen, was du verbrachst.

Brutamonte und die Mauren führen Eginhard nach rechts ab. Geräusch hinter der Scene

SYSTEMSIEBENTE SZENE

Vorige, Roland, Ogier, Ritter, Volk

BOLAND.

Der Vorhang hinten öffnet sich. Freier Platz. Volk sammel sich an. Roland, Ogier und die Ritter nahen in feierlichem Zuge. Links wird ein praktikabler Thronhimmel aufgestellt, unter welchem nach beendetem Aufzuge der Ritter Boland Platz nimmt. Maurische Krieger ziehen auf; rechts vom Throne stehen Florinda und Maragond, beide verschleiert.

CHORLasst Friede in die Hallen

CHORDes Fürstensitzes zieh'n,

CHORWenn Jubellieder schallen,

CHORMuss auch die Palme blüh'n.

CHORIhr Himmelsmächte, sendet

CHORDie Ruhe diesem Land,

CHORDer Gaben höchste spendet,

CHORDer Eintracht heilig Band.

ROLANDWir bringen dir den Frieden!

zu Maragond, leise

FLORINDAEr ist's, mein Geliebter!

BOLANDDu sprichst vom Frieden, wenn mein Sohn Fierrabras

BOLANDUnschuldig in Ketten schmachtet.

ROLANDUnschuldig! wer sagt das?

BOLANDDer Euren Einer, den eben wir gefangen -

überrascht zu seinen Rittern

ROLAND- Eginhard -

BOLAND- er hat mir selbst bekannt,

BOLANDDass für sein Vergehn Fierrabras unschuldig leide.

finster

ROLANDFürchterliche Kunde!

mit Nachdruck

BOLANDDoch büssen soll er mir für den Verrath,

Er steht auf

BOLANDBüssen sollt ihr Alle.

Auf einen Wink Boland's werden in einem Nu die Ritter von den Mauren entwaffnet und umzingelt.

BOLANDIm Tode sollt ihr büssen,

BOLANDWas Übermuth gewagt;

BOLANDBald deckt zu meinen Füssen

BOLANDEuch Nacht, die nimmer tagt.

ROLAND UND DIE RITTERDas Leben willig lassen

ROLAND UND DIE RITTERIst frommer Ritter Pflicht;

ROLAND UND DIE RITTERDoch Unheil wird ihn fassen,

ROLAND UND DIE RITTERDer Wort und Ehre bricht.

FLORINDAO schütz' ihn vor Gefahren,

FLORINDADu ew'ge Himmelsmacht.

BOLANDIhr sollt es bald erfahren,

BOLANDWie euch mein Grimm verlacht.

DIE MAURENBald sollen sie's erfahren,

DIE MAURENDass seine Rache wacht.

BOLANDFort! in des Kerkers Grauen

BOLANDBüsst ihr den frevlen Wahn.

FLORINDAMuss ich ihn elend schauen,

FLORINDAZur Rettung treibt's mich an.

FLORINDAROLAND und DIE RITTER

FLORINDAMit festem Gottvertrauen

FLORINDAGehn wir die Todesbahn.

DIE MAURENAuf Glück dürft ihr nicht bauen,

DIE MAURENBald ist's um euch gethan.

BOLANDIn Kerkermauern sollt ihr leben,

BOLANDBis euch der Strafe Arm ereilt.

BOLANDROLAND und DIE RITTER

BOLANDDes Königs Rache mach' dich beben,

BOLANDWeil er zum Schutz der Freunde eilt.

DIE MAURENGar streng bewachen wir ihr Leben,

DIE MAURENBis sie der Strafe Arm ereilt.

FLORINDAAch, Vater, hab' Erbarmen!

für sich

ROLANDHa! Diese Stimme!

überrascht zu Florinda

BOLANDDich rührt ihr wohlverdientes Los?

ROLANDKein Zweifel, ja, es ist Florinda.

für sich

FLORINDAIn des Geliebten Armen

FLORINDAEreil' auch mich das Todeslos.

Die Ritter werden ganz von den Mauren umringt. Alle kommen mehr nach vorn

FLORINDABOLAND und DIE MAUREN

FLORINDASie sollen erblassen

FLORINDAIn heimlicher Noth,

FLORINDADie Feinde zu hassen

FLORINDAIst Rachegebot.

FLORINDAFLORINDA, ROLAND und DIE RITTER

FLORINDADas Leben zu lassen

FLORINDAIn peinlicher Noth!

FLORINDAEs gilt sich zu fassen

FLORINDAZum schmählichen Tod.

Die Ritter werden mit Gewalt, von den Kriegern und dem Volke begleitet, abgeführt. Der Fürst entfernt sich mit seinem Gefolge. Florinda bleibt allein zurück; sie entschleiert sich

SYSTEMACHTE SZENE

FLORINDAO Gott! Welch Wiedersehen!

FLORINDADem Tode geweiht ist der Geliebte!

FLORINDAHaltet ein, ihr Henker, sein Tod ist auch der meine!

FLORINDAVergebens sinne ich auf Rettung.

Sie blickt nach rechts

FLORINDADoch wie! Unbewacht blieb des Franken Gefängnis -

FLORINDADer Himmel gab mir den Gedanken ein.

Sie eilt nach rechts und kommt sogleich mit Eginhard zurück.

mit Schmerz auf die Scene deutend

EGINHARDWas musst' ich seh'n und hören!

hastig

FLORINDAVerliere keinen Augenblick,

FLORINDAGeh zu König Karl, bekenne dein Verbrechen,

FLORINDABefrei den Bruder, er eile schnell herbei!

EGINHARDIch eile!

Er eilt mit dankbarer Gebärde davon

FLORINDADie Brust, gebeugt von Sorgen,

FLORINDAEntbrennt in wilder Gluth;

FLORINDAJa, tage, wilder Morgen,

FLORINDADein Segensgruss ist Blut!

FLORINDADes Weibes sanfte Sitten

FLORINDAZerstört der Drang der Noth,

FLORINDAUnd mit der Furien Wüthen

FLORINDAVerbreit ich Schreck und Tod.

SYSTEMVerwandlung

SYSTEMNEUNTE SZENE

Roland allein

Gemach in einem festen Thurm, mit einer starken eisernen Thüre verschlossen. Nahe der Thüre ein Lager. Einige Stufen führen nach oben zu einem vergitterten Fenster. Nacht.

hinter der Bühne

DIE RITTERO theures Vaterland! Verlassen

DIE RITTERWeilt deiner Söhne treue Schar;

DIE RITTERDen wird des Todes Graun erfassen,

DIE RITTERDer deines Ruhmes Kämpfer war.

DIE RITTERAch, fern von heimischen Gefilden

DIE RITTERDroht des Verderbens bittre Schmach,

DIE RITTERUnd bald zerfliesst in Luftgebilden

DIE RITTERDie Hoffnung, die das Schicksal brach.

DIE RITTERO theures Vaterland!

in starrer Haltung

ROLANDDie theuren Gefährten sind's,

ROLANDVon denen mich der Barbar getrennt.

Plötzliches Geräusch von aussen

ROLANDWelch ein Geräusch!

Man hört einen dumpfen Schlag

ROLANDSind's die Henker, die mich zum Tode führen?

Er steigt zum Fenster hinauf

ROLANDNichts ist zu sehen - stille Nacht - tiefes Dunkel.

Gepolter an der Thüre des Gemachs. Er steigt herab und nähert sich der Thür, die nach längerer Zeit mühsam geöffnet wird. Roland prallt erstaunt zurück

ROLANDEin Weib?

SYSTEMZEHNTE SZENE

Roland und Florinda. Die Thür fliegt auf. Florinda stürzt herein. Sie hat einen Bund Schlüssel bei sich

FLORINDAWo ist er? Nicht des Todes Grauen

FLORINDAHemmt meiner Schritte schnellen Lauf;

FLORINDANur ihn, den Theuren, will ich schauen,

FLORINDADann flieh' des Lebens letzter Hauch!

Sie sinkt ermattet in seine Arme. Roland will sie zu dem Lager geleiten. Bei dem schwachen Lichtschimmer, welcher durch die offene Thüre dringt, erkennt er ihre Züge

ROLANDGerechter Himmel, ja, sie ist's! Florinda!

Er lehnt sie auf das Lager und ist zärtlich um sie bemüht. Florinda schlägt die Augen auf

ROLANDGott Lob! Schon schlägt sie die holden Augen auf!

FLORINDAWo bin ich?

ROLANDIn meinem Arm, in des Geliebten Nähe.

ROLANDO güt'ger Himmel, ich hab' dich gefunden, mit dir das Glück.

ROLANDWie das Geschick auch wüthe, auf ewig bleibst du mir verbunden!

ROLANDSelbst an des Grabes Rande

ROLANDErwacht das Leben neu,

ROLANDVom düstern Todesbande

ROLANDMacht uns die Liebe frei.

FLORINDAEntzücken strömt und Leben

FLORINDAIn die gequälte Brust,

FLORINDADas Herz fühlt Wonnebeben

FLORINDADie Seele Himmelslust.

BEIDEWie leicht wird so die Todesstunde,

BEIDEDa Leben quillt vom theuren Munde.

Er schliesst sie in seine Arme

ROLANDTheure Geliebte!

FLORINDAEh' die Zeit verrinnt, komm lass' uns flieh'n,

FLORINDADiese Schlüssel öffnen uns die Pforten.

ROLANDDoch die gefang'nen Genossen, darf ich sie verlassen?

Florinda ergreift die Schlüssel, eilt rechts dem Hintergrunde zu, sie öffnet eine Thür, aus der die Ritter hervorkommen

SYSTEMELFTE SZENE

ROLANDVORIGE und RITTER

zu Florinda

ROLANDDer Hoffnung Strahl, den du gegeben,

ROLANDLeiht uns zu neuem Leben Muth!

Draussen erhebt sich ein immer mehr zunehmendes Getümmel, man hört Trompeten, Trommeln und Feldgeschrei der maurischen Krieger. Alle werden auf den Lärm aufmerksam und lauschen

FLORINDAWas hör' ich!

ROLANDDie Signale der maurischen Krieger sind's.

FLORINDAWehe, wenn man uns überraschte!

FLORINDASehen will ich, was es giebt.

Sie geht zur Pforte hinaus und kommt gleich darauf athemlos zurück

FLORINDAWir sind verrathen, der Zugang ist besetzt.

Die Ritter eilen rathlos hin und her, zum Fenster, ins Nebengemach

ROLANDVerschliesset schnell die Pforte!

Vergrösserter Lärm von aussen mit anhaltendem Pochen

ROLANDDem ersten Angriff hält sie Stand.

ROLAND- O hätten wir nur Waffen!

Florinda, kaum ihrer mächtig und von Roland mit zarter Fürsorge umgeben, kommt bei dem Rufe: Waffen! wieder zu sich und steht auf

zu den Rittern

FLORINDAHierher zu mir!

Sie weist auf eine Thür hinten links. Die Ritter stemmen sich dagegen, krachend fliegt sie auf, sie schleppen Waffen daraus hervor

im Hintergrunde

DIE RITTERGefunden ist der Schatz.

Zunehmendes Getöse draussen, Feuerschein. Die Ritter kommen bewaffnet nach vorn

DIE RITTERFLORINDA und ROLAND

DIE RITTEREuch / Uns führt des Himmels güt'ge Hand

DIE RITTERIm Kampf fürs theure Vaterland.

DIE RITTERDas Schwert mit Macht zu schwingen

DIE RITTERIm heil'gen Strafgericht,

DIE RITTERDie Frevler zu bezwingen

DIE RITTERIst hohe Ritterpflicht.

DIE RITTERWohlan zum Kampf!

Unter Krachen fliegt die Pforte auf; die Ritter schlagen die Eindringenden zurück; alle ab ausser Florinda

SYSTEMZWÖLFTE SZENE

Florinda allein

Sie eilt in immerwährender Beängstigung bald an das Fenster, bald zur Pforte. Unausgesetztes Stürmen. Sie faltet die Hände

FLORINDAAllgütiger! beschütz ihn in Gefahren.

Sie sieht durchs Fenster

FLORINDAHa, wie sie kämpfen, die Tapfern,

FLORINDASie werden hart bedrängt - er stürzt sich in die Scharen -

FLORINDASie brechen durch, sie haben freie Bahn!

Freudige Gebärde

FLORINDAWie pocht mein Herz in freudiger Erregung. -

FLORINDAEr stösst auf neue Scharen,

FLORINDADie Feinde fallen, rings mäht sein Stahl - ihm winkt der Ausweg!

Knieend

FLORINDADarf ich dir, Ewiger, für seine Rettung danken!

Steht auf und sieht durchs Fenster

FLORINDADoch sieh, von Neuem sind sie im Gedränge

Angstvoll

FLORINDAHa! sie umgeben ihn, - rings wird es stiller -

FLORINDASie verfolgen ihn, noch blinkt sein Schwert!

FLORINDAO Gott, ihm bleibt kein Ausweg! Die Feinde dringen auf ihn ein,

Sie verbirgt das Gesicht in den Händen, dann sieht sie wieder

FLORINDAO Schreckenstag, er flieht -

FLORINDA- Dort seh' ich ihn - jetzt hier - nun da -

FLORINDAImmer schrecklicher wird das Gewirre -

FLORINDAEr ist umringt, weh ihm - ich seh ihn nicht -

FLORINDANacht wird es um mich her -

Sie beginnt zu schwanken, Siegesgeschrei von aussen. Die Ritter ohne Roland stürzen zur Thür hinein

SYSTEMDIE RITTER.

FLORINDAO Missgeschick!

Sie wirft einen letzten Blick durchs Fenster und sinkt mit den Worten

FLORINDARoland - gefangen!

Ohnmächtig zusammen

Die Ritter umgeben sie und bemühen sich vergeblich, sie ins Leben zurückzubringen. Boland erscheint mit Soldaten. Er erblickt Florinda

FLORINDA.

SYSTEMBOLAND.

FLORINDAMeine Tochter! Verruchtes Kind!

Seine Soldaten schleppen die noch Ohnmächtige hinweg, er folgt ihnen langsam und niedergeschlagen

SYSTEMDIE RITTER.

FLORINDAMuth und Besinnung schwinden;

FLORINDAEin düstres Todesgrau'n

FLORINDALässt mich nur Qualen finden,

FLORINDADoch nirgends Rettung schau'n.

Stumme Gruppe des Entsetzens und der Verzweiflung

SYSTEMDRITTER AKT

Gemach im königlichen Schlosse mit einem offenen Ausgang in der Mitte

SYSTEMERSTE SZENE

Emma mit ihren Jungfrauen ist mit der festlichen Ausschmückung des Gemachs beschäftigt

JUNGFRAUENBald tönet der Reigen,

JUNGFRAUENDie Lust füllt das Herz;

JUNGFRAUENDie Trauer muss schweigen,

JUNGFRAUENEs weichet der Schmerz,

JUNGFRAUENDie quälenden Plagen,

JUNGFRAUENDie Sorgen entflieh'n,

JUNGFRAUENIn wonnigen Tagen

JUNGFRAUENWird Freude erblüh'n.

EMMAus diesen Tönen strömet Lebenslust,

EMMAEin süsser Hoffnungsstrahl der kranken Brust,

EMMAMögt ihr die Wahrheit mir verkünden,

EMMAMöcht' ich mein Glück bald wiederfinden.

EMMAAlles hatt' ich aufgegeben

EMMAWas das Herz mit Lust erfüllt;

EMMAEndlich blüht mir neues Leben

EMMAAus der Zukunft heitrem Bild.

JUNGFRAUENJa, es blüht ein neues Leben

JUNGFRAUENAus der Zukunft heitrem Bild.

Die Mädchen ziehen sich mit den Kränzen und Guirlanden zurück

JUNGFRAUEN.

SYSTEMZWEITE SZENE

JUNGFRAUENEMMA und KARL

JUNGFRAUENSchwere Sorge führt mich zu dir,

JUNGFRAUENNoch harrt Fierrabras der Strafe,

JUNGFRAUENGerechtigkeit zu üben befahl ich offenes Geständnis ihm;

JUNGFRAUENDoch stumm sind seine Lippen.

JUNGFRAUENNur, dass er dich liebe, bekannte er.

JUNGFRAUENDrum frag ich dich nun, Emma,

JUNGFRAUENIch bitte, ich befehle, getreu Alles zu berichten;

JUNGFRAUENUnd vergriff sich Fierrabras an dir,

JUNGFRAUENNichts kann vom Tod ihn retten.

welche mit stets gesteigerter Beklommenheit zugehört hat, stürzt sich flehend zu ihres Vaters Füssen

EMMAVergebung, mein Vater!

KARLDu liebst ihn?

mit sich ringend

EMMANicht ihn!

ergreift sie in höchster Wuth bei den Händen

KARLErzittre und bekenne!

halb gesprochen und tonlos

EMMAUnschuldig - leidet - Fierrabras.

schleudert sie mit einer Gebärde tiefsten Abscheus von sich

KARLBald wird es klar, die That muss ich ergründen,

KARLDu hast des Vaters milde Huld verschmäht!

KARLWohlan! den Richter sollst du in mir finden,

KARLDer auf der Strafe Lohn besteht.

Karl ertheilt den Soldaten einen Befehl, dieselben gehen ab

EMMAWo werd ich Trost in meinen Leiden finden,

EMMADa mir des Vaters milde Huld entgeht?

EMMAWill er der heil'gen Fesseln sich entbinden,

EMMASo hat mein Glück ein wilder Sturm verweht.

KARLDie Gnade muss weichen,

KARLDer Grimm nur erwacht;

KARLUnd streng' ohne Gleichen

KARLSei Strafe vollbracht.

EMMADie Freuden entweichen,

EMMADer Schrecken erwacht,

EMMAMich fassen die bleichen

EMMAGestalten der Nacht.

SYSTEMDRITTE SZENE

EMMAVORIGE und FIERRABRAS

von Wache begleitet

KARLAn meine Brust, Unschuldiger, Verrathner!

Er umarmt ihn

KARLDu hast das schwerste Ungemach erlitten!

zweifelhaft

FIERRABRASWie meinst du, Herr?

mit Beschämung

EMMAO schwere Schmerzensstunde!

nach einem Blick auf Emma

FIERRABRASIch übte heil'ge Freundschaftspflicht,

FIERRABRASDrum schreckte mich kein Strafgericht.

EMMADie Scham bedecket mein Gesicht!

KARLNoch fass' ich seine Worte nicht.

KARLNun sprich, wenn du Fierrabras nicht liebst, wen liebst du denn?

SYSTEMVIERTE SZENE

KARLVORIGE und EGINHARD

KARLIch bin's.

zieht das Schwert

KARLStirb, Verführer!

Emma wirft sich dazwischen, auch Fierrabras kommt dazu

EMMAHalt ein!

EGINHARDGern will ich sterben, doch zuvor, mein König, höre!

EGINHARDDem Kerker bin ich entronnen -

EGINHARDEMMA, FIERRABRAS und KARL

EGINHARDHa, unerhört!

EGINHARDDes Fürsten Tochter Florinda gab die Freiheit mir,

EGINHARDDoch vom Maurenfürst gefangen,

EGINHARDBezwungen immerdar,

EGINHARDUnd treulos hintergangen

EGINHARDSeufzt deiner Treuen Schar.

KARLEntsetzen bringst du, Unglücksbote,

KARLIch rufe Wehe über dich!

EGINHARDDie Freunde rette erst vom Tode,

EGINHARDDann treff' des Fluches Fülle mich!

Mit Eile

EGINHARDVerworfen ward die Friedenskunde,

EGINHARDDer Kerker wurde Aller Los;

EGINHARDDem Tod verfallen trauert Roland,

EGINHARDUnd können wir nicht Rettung bringen,

EGINHARDSo harrt der Andern gleiches Los.

EGINHARDEMMA, FIERRABRAS und KARL

EGINHARDHa, schändlich!

KARLSprich, was ist zu thun?

mit Wärme

EGINHARDNur Fierrabras vermag des Vaters Zorn zu beschwicht'gen,

EGINHARDNur er vermag die Freunde vom Tode zu befrei'n,

EGINHARDVertraue dem Redlichen die schöne That.

EGINHARDEMMA, EGINHARD, FIERRABRAS und KARL

EGINHARDVollbringen / wird er / will ich / die schöne That

EGINHARDUnd hohen Ruhm erwerben.

zu Fierrabras

KARLSo wähle schnell die muthigsten der Streiter aus!

FIERRABRASVergönn', erhab'ner König, dass Eginhard mich begleite.

finster

KARLSein Schicksal steht in deiner Hand, Ich habe nichts mit ihm gemein.

Emma birgt weinend ihr Gesicht. Zu Fierrabras

KARLUnd kehrst erfolggekrönt du wieder,

KARLUnd liebst du Emma noch, - dein sei ihre Hand!

Entsetzen Emma's, Verzweiflung Eginhard's

KARLUnd so mag Gott deine Fahrt geleiten!

Er geht ab

EMMAO trauervolle Kunde!

EGINHARDLebt wohl, Emma, ewig lebet wohl!

EGINHARDDen Heldentod find' ich in dem Kampfe,

EGINHARDUnd sterbend gewinn' ich mir des Königs Huld.

SYSTEMFÜNFTE SZENE

EGINHARDEMMA, FIERRABRAS und EGINHARD

EGINHARDSo lang ein Tropfen Blutes in meinen Adern glüht,

EGINHARDSo lang vor meinem Schwerte die Feindesschar entflieht,

EGINHARDWerd' ich den Freund beschützen im blut'gen Waffentanz

EGINHARDIch helf' ihm zu erringen den hehren Siegeskranz.

zu Emma, indem er Fierrabras' Hand umfasst hält

EGINHARDLebt wohl! Im Todeskampfe klaget

EGINHARDMein Herz um das verlor'ne Glück.

EMMADer Hoffnung jetzt mein Herz entsaget;

EMMAEs härmt sich ab der trübe Blick.

FIERRABRASLasst nicht vom Wahne euch betrüben,

FIERRABRASVertrauet auf des Schicksals Lauf.

EMMA UND EGINHARDDie Seelen, die so treu verbunden,

EMMA UND EGINHARDSie schweben bald vereint hinauf.

EMMA, EGINHARD UND FIERRABRASBald endet die Leiden versöhnend der Tod des Siegers Gebot

EMMA, EGINHARD UND FIERRABRASEs heischet zu scheiden sein mächtig Gebot.

EMMA, EGINHARD UND FIERRABRASUnd lohnende Freuden verscheuchen die Noth.

Fierrabras zieht das Schwert und geht mit Eginhard durch die Mitte, Emma zur Seite ab

EMMA, EGINHARD UND FIERRABRASVerwandlung

SYSTEMSECHSTE SZENE

Florinda und Maragond

Dunkles Gemach, hinten eine Thür, rechts ein Fenster. Florinda liegt erschöpft auf einem Lager, Maragond bemüht sich um sie

FLORINDAVon Seufzen und von Bangen

FLORINDAIst mir das Herz betrübt,

FLORINDABald wird vom Tod umfangen,

FLORINDADen heiss mein Herz geliebt;

FLORINDAIn bittrer Todesstunde

FLORINDAFehlt ihm der Liebe Gruss,

FLORINDAUnd nicht vom theuren Munde

FLORINDAWird ihm ein Scheidekuss.

MARAGONDLass dein Vertrau'n nicht schwinden,

MARAGONDNoch leuchtet uns ein Hoffnungsstrahl,

MARAGONDNoch kann er Rettung finden,

MARAGONDDrum banne der Verzweiflung Qual.

FLORINDAMit des Geliebten Leben

FLORINDAFlieht auch das meine hin.

MARAGONDVertrauen und Ergeben

MARAGONDBringt lohnenden Gewinn.

FLORINDAUnd seines Todes Stunde

FLORINDABringt mir Verderben auch;

MARAGONDDes Herzens tiefste Wunden

MARAGONDHeilt froher Hoffnung Hauch.

MARAGONDMarcia funebre

FLORINDAWelch ein Geräusch? Was ist geschehn?

sieht durch das Fenster

MARAGONDVom Thurm her naht eine Schar mit feierlichem Schritte

MARAGONDBei gelbem Fackelscheine wird ein Holzstoss schnell errichtet.

MARAGONDSie theilen sich -

in tödlicher Angst

FLORINDAWas weiter?

MARAGONDIn ihrer Mitte das Opfer ihrer Grausamkeit - Roland!

springt auf, entsetzt

FLORINDAHa!

Sie eilt mit Aufbietung ihrer letzten Kräfte an das Fenster, stösst Maragond hinweg und ruft in Verzweiflung

FLORINDAErbarmen, haltet ein! Verlangt mein Leben

FLORINDAUnd was ihr wollt, für ihn sei es gegeben!

Sie eilt herab

MARAGONDO komm zu dir, was willst du wagen!

FLORINDANun giebt's kein Mittel mehr, als mit ihm sterben.

FLORINDAIch folge ihm!

FLORINDAFLORINDA und MARAGOND

FLORINDAIch eile / Ja eile schnell hinab,

FLORINDADes Vaters Herz zu rühren,

FLORINDAEh' sie zum Flammengrab

FLORINDADen Freund, den theuren, führen.

Beide ab

SYSTEMVerwandlung

SYSTEMSIEBENTE SZENE

Boland, die Mauren, später Roland und die Ritter.

Düsterer Platz im Schloss. Hinten der Thurm, rechts ein Holzstoss

CHOR DER MAURENVolk, Männer und Soldaten aufziehend

CHOR DER MAURENDer Rache Opfer fallen,

CHOR DER MAURENVergeblich war ihr Droh'n;

CHOR DER MAURENIhr Klagen wird verhallen,

CHOR DER MAURENEmpfangen sie den Lohn.

Boland kommt, von einer Wache umgeben, und setzt sich links auf einen Thron

CHOR DER MAURENZu spät ist nun ihr Flehen,

CHOR DER MAURENHier gilt kein Widerstand,

CHOR DER MAURENSie müssen untergehen

CHOR DER MAURENDurch strenge Richterhand.

Roland und die Ritter werden zum Holzstoss geführt

CHOR DER MAURENDer Rache Opfer fallen,

CHOR DER MAURENVergeblich war ihr Drohn,

CHOR DER MAURENLaut wird die Luft erschallen,

CHOR DER MAURENEmpfangen sie den Lohn.

SYSTEMACHTE SZENE

CHOR DER MAURENVORIGE und FLORINDA

CHOR DER MAURENUm Gnade fleht zu deinen Füssen

CHOR DER MAURENDie Tochter, die der Gram gebeugt,

CHOR DER MAURENLass deine Gnade mich nicht missen,

CHOR DER MAURENWenn schon des Vaters Liebe schweigt.

BOLANDIch kenne dich nicht mehr und aufgegeben

BOLANDHab' ich des Vaters milde Pflicht.

FLORINDAIch lieb' ihn hör' es und vergieb,

FLORINDAUns ketten ew'ger Treue Bande:

FLORINDAEr ist mein schwer erworb'nes Gut;

FLORINDADer an des Grabes nahem Rande,

FLORINDAUm ihn verrieth ich Glück und Blut.

BOLANDGestehst du ohne Scheu,

BOLANDDass er dein höchstes Gut,

BOLANDEint dich mit ihm die Treu,

BOLANDHast du Verrath geübt,

BOLANDHast du den Feind geliebt,

BOLANDSo höre mein Gebot:

BOLANDDich eine mit ihm der Tod.

RITTERKann dich ihr Schmerz nicht rühren,

RITTERUns schone nicht, nur sie.

MAURENIhr Schmerz kann ihn nicht rühren,

MAURENNein, er verschont sie nie.

BOLANDMich kann ihr Schmerz nicht rühren,

BOLANDMit ihnen falle sie.

BOLANDFührt sie zum Tod!

Soldaten ergreifen Florinda, als ein Signal ertönt. Allgemeine Spannung

BOLANDWas ist das?

freudig zu den Rittern

ROLANDGottlob, die Franken sind's!

eilt herbei

BRUTAMONTEHoher Herr, der Franke, den wir gefangen,

BRUTAMONTEEginhard, zieht mit grosser Macht herbei,

BRUTAMONTEMit grimm'gem Muthe führt er seine Scharen,

BRUTAMONTEVerwirrung und Schrecken trägt er in uns're Reihen.

steht auf

BOLANDZum Kampf! Zum Siege!

Er zieht das Schwert

BOLANDZieht aus zum Kampf! Den finstern Höllenmächten

BOLANDVerfallen ist der Franken freche Brut.

das Schwert ziehend

DIE MAURENWir zieh'n zum Kampf! Den finster'n Höllenmächten

DIE MAURENVerfallen ist der Franken freche Brut.

DIE MAURENFLORINDA und ROLAND

DIE MAURENAllew'ger, steh' den Freunden bei.

DIE RITTERAllew'ger, send' uns Rettung, den Freunden steh' bei.

Boland und die Mauren stürmen nach rechts, werden aber sofort zurückgedrängt

SYSTEMNEUNTE SZENE

Vorige, Eginhard und Ritter, Fierrabras

Eginhard mit Rittern verfolgt Boland auf die Bühne und holt zu einem Streiche gegen ihn aus, als Fierrabras dazwischen eilt

FIERRABRASHalt ein, er ist mein Vater.

umarmt Fierrabras zärtlich

BOLANDMein theurer Sohn, ich hab' dich wieder,

BOLANDDich verschonte des Feindes Hinterlist

Auf Eginhard deutend

reicht Eginhard die Hand und führt ihn zu seinem Vater

FIERRABRASHat Unrecht er gethan, so hat er's reichlich jetzt gebüsst.

SYSTEMZEHNTE SZENE

Vorige, Karl, Emma und Gefolge

führt seinen Vater dem König entgegen, zu Boland

FIERRABRASDem besten König wolle dich versöhnen!

zu Karl

BOLANDDes Sohnes Wort ist mir Genüge,

BOLANDUnd deinem Willen ich mich füge.

KARLGieb mir die Hand zum Friedensbunde,

KARLNur Heil entspriesse dieser Stunde!

führt Florinda und den gefesselten Roland zu Boland, Florinda kniet nieder

FIERRABRASBeglücke sie, o Vater, lass dich bitten.

FIERRABRASDie treuer Liebe Ungemach erlitten.

indem er Florinda aufhebt

BOLANDNach langer Nacht der kummervollen Sorgen

BOLANDBegrüsset froh der Liebe gold'gen Morgen!

während dessen die Mauren den Rittern die Fesseln abnehmen

CHORDie That ist gelungen,

CHORDas Glück ist errungen,

CHORDer Friede erwacht

CHORAus blutiger Nacht.

auf Eginhard deutend zu Karl

FIERRABRASMag Eginhard's

FIERRABRASVerdienst jetzt deinen Zorn erweichen,

FIERRABRASDen Feind traf er mit unverzagten Streichen.

Eginhard tritt schüchtern näher und kniet vor Karl

KARLGesündigt hast du frech an meiner Gnade,

EMMAO Gott!

KARLUnd irrtest selbst vom Freundschaftspfade;

KARLDoch hat dein Muth meinen Zorn versöhnt,

KARLVergebens nicht lass ich vom Freund mich mahnen,

KARLDrum folg' aufs Neue meinen Fahnen.

FIERRABRASHab' Dank, mein König.

küsst des Königs Hand

EGINHARDO mein königlicher Herr!

Er stellt sich zu den andern Rittern

CHORGepriesen sei des Fürsten Huld,

CHORDer so belohnt gesühnte Schuld.

KARLDoch jetzt, mein tapfrer Ritter, mag dein Glück ich beschliessen,

Er ergreift Emma's Hand und will sie dem Fierrabras zuführen

KARLErlittnen Schmerz mag Liebesglück versüssen.

nimmt die angstvoll stockende Emma bei der Hand

FIERRABRASWer jauchzte nicht ob solcher Freudenkunde,

FIERRABRASLacht ihm die Liebe von so holdem Munde,

FIERRABRASDoch Emma's Liebe ist nicht mein!

FIERRABRASIhr Herz hat längst gefunden,

FIERRABRASMit dem sie treu verbunden,

FIERRABRASDem tapfern Eginhard gehören meine Rechte.

Emma sinkt, von den Gefühlen der Dankbarkeit überwältigt, an Fierrabras' Brust, der sie und Eginhard zu Karl geleitet. Karl fügt lächelnd Emma's und Eginhard's Hände in einander

CHORIhr Herz hat längst etc.

zu Fierrabras

KARLUnd du, mein Held, wo ist ein Lohn, der deiner würdig wäre?

mit Stolz

FIERRABRASDem grossen Karl zu dienen, ist mir Glück und Ehre!

reicht ihm die Hand

KARLNach langer Leiden Qualen

KARLErwacht die reine Lust

KARLUnd Jubellieder schallen

KARLAus der entzückten Brust.

CHORNach langer Leiden etc.

CHOREGINHARD, FIERRABRAS, ROLAND, KARL, EMMA und FLORINDA

CHORIn Nebel zerronnen

CHORSind Schrecken und Pein,

CHORDas Glück ward gewonnen

CHORDurch Treue allein.