Polen's Grabgesang
Frédéric Chopin
Baum, so frei und herrlich,
sahst die Blätter fallen!
Auf der Gruft ein Vöglein lässt sein Lied erschallen.
O Polen, welch Schicksal wurde deinem Heere,
deine treuen Kinder,
ach sie ruhen in der Erde.
Deine Städt' und Dörfer
sind nicht mehr zu schauen,
auf den öden Feldern
weinen deine Frauen.
Männer mir den Sensen
hat der Krieg genommen,
und die vollen Ähren,
sie sind umgekommen.
Warschau sah die Fahnen
unsrer Jugend wehen,
ja ein einig Polen
sollt aus dem Ruhm erstehen.
Und man kämpft' im Winter,
kämpft in Sommers Schwüle,
und der Herbst er sah uns
doch so fern dem Ziele.
Denn vergeblich kämpften
unsre tapfern Brüder
in die heimischen Dächer
kehrte niemand wieder.
Ruhten sie im Grabe?
waren sie gefangen?
sind die Heimatlosen
in die Welt gegangen?
Ach der güt'ge Himmel
wie die Menschenherzen
hatten uns verlassen
in den bittern Schmerzen.
O mein armes Polen! mein armes Polen!
O Polen, mein Polen, kehrten deine Brüder.
die der Krieg verschlungen, uns noch einmal wieder,
alle Grau'n und Schrecken
sollten bald verwehen,
und die neue Heimat
würde uns erstehen.
Ward auch ohn' Erbarmen
unser Land verraten,
rühme wird man ewig
Polens Heldentaten,
ward auch ohn' Erbarmen
unser Land verraten,
rühmen wird man ewig
Polens Heldentaten.